Gedenkkonzert für Günter Kehr im Frankfurter Hof

In wenigen Jahren feiert das 1955 von Günter Kehr gegründete Mainzer Kammerorchester 70-jähriges Bestehen – hier ein früheres Benefizkonzert des Orchesters für den Lionsclub Flörsheim-Hochheim in der Kirche St. Peter und Paul. Archivfoto: Vollformat/Frank Möllenberg

Anlässlich seines 100. Geburtstags würdigt das Mainzer Kammerorchester seinen Gründer mit einer Uraufführung von Volker David Kirchner.

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MAINZ. In fünf Jahren kann das Mainzer Kammerorchester auf sein 70-jähriges Bestehen zurückblicken. Einen Grund zu feiern gibt es aber bereits in diesem Jahr: Am 16. März jährt sich der Geburtstag von Günter Kehr, dem Gründer des Ensembles, zum 100. Mal.

In wenigen Jahren feiert das 1955 von Günter Kehr gegründete Mainzer Kammerorchester 70-jähriges Bestehen – hier ein früheres Benefizkonzert des Orchesters für den Lionsclub Flörsheim-Hochheim in der Kirche St. Peter und Paul. Archivfoto: Vollformat/Frank Möllenberg
Renate Kehr, Flötistin und Tochter des langjährigen Orchesterchefs, moderiert die Matinee am kommenden Sonntag. Archivfoto: Mainzer Kammerorchester
Günter Kehr (1920-1989) war Kirchner-Förderer, Kammerorchester-Gründer und früherer PCK-Leiter. Archivfoto: Kehr

Diesen Anlass begeht das Mainzer Kammerorchester mit einem Gedenkkonzert am Sonntag, 15. März, 11 Uhr, im Frankfurter Hof. Kehrs Tochter Renate wird dann nicht nur als Flötistin auftreten, sondern die Matinee mit Werken von Johann Sebastian Bach und Claude Debussy auch moderieren. Im Gedenkkonzert wird darüber hinaus das Werk „Der Untergang des Hauses Usher“ des jüngst verstorbenen Mainzer Komponisten Volker David Kirchner uraufgeführt.

Geboren wurde Günter Kehr in Darmstadt und zog später nach Mainz, wo er am 22. September 1989 starb. Seine Karriere begann bereits in jungen Jahren, den ersten Auftritt als Solist mit Orchester absolvierte er mit zwölf. Unterricht hatte Kehr bei Prof. Dr. Friedrich Noack an der Mainzer Musikhochschule, dem heutigen Peter-Cornelius-Konservatorium, und bei der Geigerin Alma Moodie in Frankfurt. Sein Abitur legte er 1938 am heutigen Rabanus-Maurus-Gymnasium ab. Kehrs Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Köln und Berlin verlief allerdings nicht geradlinig: Immer wieder eckte er mit seinen politischen Ansichten bei den regierenden Nationalsozialisten an, Verfolgung erzwang häufige Wohnungswechsel und wiederholtes Untertauchen. Dennoch studierte der junge Musiker parallel das Geigenspiel bei Gustav Havemann und Hermann Zitzmann. Nach dem Krieg war es Günter Kehr, der die deutschen Erstaufführungen von Paul Hindemiths „Violinkonzert 1959“ und des Violinkonzerts von Béla Bartók gestaltete. Es folgte eine pädagogische Tätigkeit an der Kölner Musikhochschule sowie am hiesigen PCK, dessen Direktor Kehr bis 1961 war. Er unterrichtete am damaligen staatlichen Hochschulinstitut für Musik der Stadt Mainz und war Dozent bei den „Ferienkursen für Neue Musik“ in Kranichstein. Bereits 1949 hatte der Geiger das „Kehr-Trio“ gebildet, 1955 verantwortete er die Gründung des Mainzer Kammerorchesters, mit dem er zahlreiche Auslandsreisen, darunter viermal in die USA, unternahm.

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Weit über 1000 Rundfunkaufnahmen und 80 Schallplatten entstanden mit Günter Kehr, der auch als Musiktheoretiker und Autor von Fachaufsätzen sowie Herausgeber von Musikwerken im Mainzer Schott-Verlag wirkte.

Da das Mainzer Kammerorchester noch unter Kehrs Leitung viele Werke von Volker David Kirchner uraufgeführt hat, veranstaltet es am Sonntag, 26. April, 11 Uhr, im Foyer des Staatstheaters Wiesbaden ein Gedenkkonzert für den Komponisten. Neben weiteren seiner Stücke sowie Kompositionen von Franz Schubert und Ludwig van Beethoven wird dann Kirchners letztes Werk – die Vertonung von drei Liedtexten von Brigitte Dornik – seine Uraufführung erleben.