Benefizkonzert der Deutschen Philharmonie Merck für „Echo...

aus Leseraktion "Echo hilft"

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Die Deutsche Philharmonie Merck mit Ben Palmer am Pult hat „Echo hilft!“ unter anderem im Kurhaus Wiesbaden mit einem Konzert ausklingen lassen. Foto: Jochen Kratschmer  Foto: Jochen Kratschmer

Die Fantasie zehnjähriger Buben ist unberechenbar. Beim jungen Erich Wolfgang Korngold entzündete sie sich an einer zarten Liebesgeschichte, die Motive der Commedia...

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WIESBADEN. Die Fantasie zehnjähriger Buben ist unberechenbar. Beim jungen Erich Wolfgang Korngold entzündete sie sich an einer zarten Liebesgeschichte, die Motive der Commedia dell’Arte variiert. Der Straßenmusikant Pierrot ist vernarrt in Colombine, hat aber einen Rivalen in ihrem strengen Onkel Pantalone, weshalb er im Schneemannskostüm das Haus der Geliebten erobert. Wunderknabe Korngold zeichnete jede der Aktionen säuberlich in einem Klavierstück nach.

Die Deutsche Philharmonie Merck mit Ben Palmer am Pult hat „Echo hilft!“ unter anderem im Kurhaus Wiesbaden mit einem Konzert ausklingen lassen. Foto: Jochen Kratschmer  Foto: Jochen Kratschmer

Dirigent Ben Palmer modelliert die Klangfarben

Beim Neujahrskonzert der Deutschen Philharmonie Merck, dem zehnten zugunsten der Spendenaktion „Echo hilft!“, war es eine schöne Entdeckung und genau das richtige Werk für dieses Orchester. Denn Alexander von Zemlinsky, den der Musikkritiker Julius Korngold als Lehrer für den begabten Sohn ins Haus geholt hatte, sorgte für eine delikate Orchestrierung dieser Ballett-Pantomime. Und so konnte der Chefdirigent Ben Palmer nicht nur die gestischen Qualitäten dieses Werkes modellieren und den grimmigen Alten in eckigen Bassfiguren poltern lassen, sondern auch die Stimmungen auskosten, die aus den Klangfarben dieser Komposition herausschimmern.

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Mag sein, dass jeder Takt auf ein Ereignis der Geschichte bezogen ist. Aber so genau muss man es gar nicht wissen, um spätromantisch eingekleidete Walzerseligkeit zu genießen und die Neigung zu übermäßigen Akkorden zu bestaunen, die der junge Komponist vielleicht noch nicht ökonomisch genug einsetzte. Aber gerade diese Unbekümmertheit macht den Reiz des Stückes aus; später, im von den Nazis erzwungenen amerikanischen Exil, sollte sich Korngold als zielgenauer Stimmungszeichner des Hollywood-Kinos auszeichnen.

Im Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses konnte die Deutsche Philharmonie zeigen, wie sie die Balance halten kann zwischen farbsattem Gesamtklang und feiner Differenzierung, getragen durch auffallende solistische Leistungen. Auch Sergej Rachmaninoffs zweite Sinfonie ist im Konzertsaal ja nicht alltäglich, vielleicht auch deswegen, weil so sehr aus Klang und Linien besteht, dass daraus schwer eine schlüssige musikalische Dramaturgie zu formen ist. Genau dafür aber hat Ben Palmer eine glückliche Hand, weil er sowohl situationsbezogen denkt, die musikalischen Szenen aber auch einbinden kann in eine weiträumige strategische Planung. Dabei ist die Gelassenheit, die Palmer mit seinem stets flüssigen Musizieren an den Tag legt, auch ein Risiko. Denn man muss ja das Interesse wachhalten; zu Beginn der Durchführung im Kopfsatz war es das aufgeraute Klangbild, das die Aufmerksamkeit fesselte, im rasant angelegten zweiten Satz animierte er das Orchester zu jähen Wechseln und ließ die Streicherfuge wie einen Insektenschwarm klingen.

Auch in schwelgerischen Passagen wie dem Adagio mit seinem weitgespannten Klarinettensolo bleibt Palmer angenehm unsentimental. Und die forsche, ein wenig eckig wirkende Anlage des Finalsatzes war von spannungsvollen Gegensätzen durchzogen. Dabei ist es hier besonders schwierig, das musikalische Geschehen in den Griff zu bekommen. Aber bei Palmer wirkt das ganz mühelos: In den Riesenbeifall für diesen Dirigenten stimmte auch das Orchester ein, das doch selbst hatte glänzen können.