„Mein Leben als Dosenöffner“ und „Katzen in der Kunst“

Sebastiano Ranchetti hat seine „Blaue Katze“ 2005 gemalt. Sie ist abgebildet im Buch „Katzen in der Kunst“ von Angus Hyland und Caroline Roberts. Foto: Sebastiano Ranchetti/DuMont Verlag

Liebeserklärungen in Wort und Bild: Zwei neue Katzen-Bücher geben Einblicke in die ungewöhnliche Beziehung des Menschen zu diesem Tier

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. Wahre Literatur mag anders daherkommen als diese zwei Bücher. Elegante sprachliche Normen erfüllen sie eher nicht, und ihr Thema ist auch nicht neu. Trotzdem: Eine ziemlich große Lesergruppe wird hier wie da sicher mitten ins sentimentale Herz getroffen. Denn eine Katze zu lieben, ist eben ein alltägliches Abenteuer, bei dem man sich wie beim Lesen eines guten Romans gern auf emotionales Glatteis begibt und Normalitäten manchmal ganz schön unnormal sind.

Von dieser Mensch-Tier-Beziehung schreibt der Biologe und Naturbuchautor Mario Ludwig in „Mein Leben als Dosenöffner“. Angus Hyland und Caroline Roberts haben in ihrem kleinen Bildband „Katzen in der Kunst“ zusammengetragen, wie Maler das ungewöhnliche Verhältnis darstellen, in dem der Mensch eben nicht das Sagen hat. Wie in Absprache wird in den einleitenden Kapiteln der sehr unterschiedlichen Bücher drum auch herausgestellt, was Hyland und Roberts so formulieren: „Katzen sind sehr wählerisch. Sie schenken ihre Zuneigung nicht jedem. Man muss sie umschmeicheln, mit Leckerbissen umwerben, doch erobern lassen sie sich nur, wenn es ihnen passt.“

Katzenbesitzer wissen das in der Regel recht gut. Denn sie wissen um die Wonnegefühle, die es bescheren kann, von einem solch unbotmäßigen Tier als Lebensbegleiter auserwählt zu werden. Mario Ludwig hat seine eigenen Erfahrungen damit, die er in den vergangenen Jahren in der monatlichen Zeitschriften-Kolumne „Aus dem Alltag eines Katzenbesitzers“ veröffentlicht hat, nun als Buch herausgegeben.

Humorige Erzählungen

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In humorigen Erzählungen mit naturwissenschaftlichen Einsprengseln erzählt er davon, wie seine Ehefrau Katharina und er vom schönen, aber ein bisschen doofen Kater Spikey und der weit intelligenteren, aber zickigen Katzendame Pünktchen über die Jahre bestens erzogen worden sind. Von „Toilettenfragen“, in denen es darum geht, welche Chancen der Katzenbesitzer hat (oder eben auch nicht), sein Tier zum Hygieniker zu erziehen, über beispielsweise die „Katastrophe Urlaub“ (Katzen schätzen Abwesenheiten ihrer Mitbewohner sehr selten) bis zu „Wie kriege ich die Tablette in die Mieze?“ (eigentlich gar nicht!) reichen Mario Ludwigs lustige Fallstudien.

Festzuhalten, wie spannend Katzen mit ihren mal besinnlichen, mal fast bedrohlichen Blicken sowie ihrer eleganten, entspannten oder auch höchst angespannten Körpersprache sein können, wie viel Innigkeit oder Ablehnung sie dabei geradezu mühelos transportieren, ist quer über den Globus auch ein reizvolles Thema für Maler. Die Katze ist ein perfektes Porträtthema, wobei die Maler dem Tier oder der Situation, in der sie es zeigen, immer hohen Respekt zollen, wie Angus Hyland und Caroline Roberts belegen.

Ihre „Katzen in der Kunst“ sind ein Kompendium von Gemälden und Zeichnungen, das zwar zurückreicht bis zu Leonardo oder Jean-Baptiste Greuze, den Schwerpunkt jedoch auf die Moderne legt und dabei weltweit und in vielen Stilrichtungen fündig wird. Dabei erhalten die Bilder weit mehr Raum als in vielen anderen Bänden: Sie dürfen ganze Seiten mit ihren Schönheiten im doppelten Sinn füllen. Vielfach erfährt man dazu nur den Namen des gezeigten Künstlers, den Titel seines Bildes sowie dessen Entstehungsjahr, dabei steht dann auf der gegenüberliegenden Seite ein passendes Katzen-Zitat, typografisch reizvoll in Szene gesetzt. Doch immer wieder haben die Autoren auch kleine Texte dazugestellt – und dann erklären auch sie Katzenverhalten von der Tierkunde aus. Beim Lesen verblüfft dann, wie empathisch nahe die Maler mit ihren Moment-Szenerien auch der „inneren“ Natur des Tieres kommen, wie sie ohne Worte vermitteln können, wofür große, offene Augen, gespitzte Ohren oder schleichender Gang im Katzenleben stehen.

Von Annette Krämer-Alig