Fuchs und Hühner lehren das Zählen: Kinderbücher zum Lernen

Betreten verboten: Illustration aus „Das ist mein Baum“ von Olivier Tallec. Foto: Gerstenberg

Wie heißen die größten Flüsse der Welt? Wem gehört eigentlich ein Baum? Und wie funktioniert der Kreislauf der Natur? Diese Kinderbüche verraten es.

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. Den Rhein kennt jeder, aber wie ist es mit dem Murray, dem größten Fluss Australiens? Das großformatige Bilderbuch „Die großen Flüsse der Welt“ macht mit 18 von ihnen bekannt. Sie durchziehen als Lebensadern die Kontinente Europa, Asien, Afrika, Australien, Nord- und Südamerika und Grönland. Sie verbinden oder trennen Länder und Kulturen, prägen Landschaften, sind Handels- und Wirtschaftswege, laden ein zum Reisen. Mit seinen Wimmelbildern folgt das Buch dem Lauf der Flüsse, verweist auf ihre politische, kulturelle, wirtschaftliche, auch religiöse oder mythische Bedeutung. Unzählige ringsum skizzierte Details erzählen von Menschen, Tieren und Pflanzen, von Denkmälern, Brauchtum und Geschichten am Rande der Flüsse. Bunt sind die Bildtafeln, schier unerschöpflich bis ins Kleinste und sachlich erschlossen mit zusammenfassenden Sachtexten und eingestreuten Bild-Kommentaren. In diesem Buch zu reisen und zu stöbern, ist hoch interessant, macht Spaß und nimmt kein Ende.

Betreten verboten: Illustration aus „Das ist mein Baum“ von Olivier Tallec.
Kate ReadEin Fuchs – hundert  HühnerBilderbuch-Krimi zum Mitzählen. Knesebeck-Verlag, 32 Seiten, 13 Euro. Ab drei.
Olivier TallecDas ist mein BaumGerstenberg-Verlag, 36 Seiten, 13 Euro. Ab drei.
Johannes Vogt,  Felicitas HorstschäferEs geht rundVerlag Beltz und Gelberg, 20 Seiten, 19,95 Euro. Ab sechs.
Volker Mehnert (Text),  Martin Haake (Illustrationen)Die großen Flüsse der WeltGerstenberg-Verlag, 40 Seiten, 25 Euro. Ab acht Jahre.

„1 – Ein hungriger Fuchs“: Rostrot füllt er die erste Bilderbuchseite. Das verspricht nichts Gutes. „2 – zwei listige Augen“, „3 – drei dicke Hühner“. Spätestens bei „10 – zehn scharfe Zähne“ droht allerhöchste Gefahr! Oder etwa nicht? „Ein Fuchs – hundert Hühner“ ist ein Bilderbuch-Krimi für die Kleinsten, der beim Mitzählen die Spannung wachsen lässt, und natürlich braucht er ein gutes Ende. „Für dieses Buch kamen keine Hühner oder Füchse zu Schaden“, heißt es am Schluss. Farbenfroh, kontrastreich sind die Bilder, großflächig mit angeschnittenen Motiven komponiert – scheinbar einfach und doch meisterhaft!

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„Das ist meins!“ Kinder sehen da ganz klar. Niemand darf ihnen den Besitz streitig machen, und teilen wollen sie auch nicht, auf keinen Fall. So geht es dem Eichhörnchen in diesem Bilderbuch. Es liebt seinen Baum, seinen Schatten, seine Zapfen. Was, wenn nun jemand käme, auch unter diesem Baum im Schatten sitzen, die Zapfen fressen wollte? Am Ende gehört der Baum mit Schatten und Zapfen allen? Das muss das Eichhörnchen verhindern! Vielleicht mit einem Tor? Einem Zaun? Einer Mauer, die immer dicker, höher, länger wird? Gedacht, getan. Aber was ist hinter der Mauer? Was, wenn dort vielleicht ein anderer Baum, größer, mit größeren Zapfen, vielleicht gar ein ganzer Wald ist? Das Bilderbuch „Das ist mein Baum“ gibt am Ende den Blick in einen ganzen Wald mit vielen Bäumen und vielen Eichhörnchen frei.

Originell und kindgerecht in der Idee ist es, ausgestattet mit Bildern aus goldgelben, leuchtenden Landschaftskulissen, die sich je nach Stimmung verdüstern. Mitten in die Szenerie gesetzt oder beherrschend ist das witzig spitz comicartig skizzierte Eichhörnchen mit seinem rotbraunen Pelz und buschigen Schwanz. Es ist ein besonderes Bilderbuch, das seine klare Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger mit Witz in Texten, leuchtenden Farben der Kulissen vermittelt und in der Mimik und Gestik seiner komisch überzeichneten Hauptfigur. Dieses eigensinnige, herrlich kindlich egoistische Eichhörnchen ist allemal liebenswert – so recht gemacht für philosophische Gedankenspiele und das Nachsinnen über Mein, Dein und Unser.

Es geht rund auf der Erde – und „Es geht rund“ in diesem großen, kreisrunden, zur Hälfte zusammengeklappten Buch aus dicker Pappe (mit einem Durchmesser von 50 Zentimeter). „Alles, was neu ist, war vorher etwas anderes. Und was alt ist, wird zu etwas anderem. Die Natur besteht aus vielen Kreisläufen. So kann sie sich immer wieder verwandeln.“ Denn alles ist eingebunden in einen Kreislauf. Nichts geht verloren, „eine geniale Erfindung der Natur“.

Neunmal geht es rund in diesem Buch. Im Kreis sind Bilder und Texte angeordnet, beim Betrachten und Lesen muss man das Buch drehen. Da geht es um den Jahreslauf, um Tag und Nacht, um den Wasserkreislauf, um den Nahrungskreislauf mit Fressen und Gefressenwerden. Zu sehen ist, wie aus einem Kern ein Apfel entsteht, aus einer Kaulquappe ein Frosch, wie sich ein in den Bio-Müll geworfenes Salatblatt wieder in Erde verwandelt. Und die Menschen machen mit im Kreislauf-Spiel. Da werden Mehrwegflaschen wieder mit Saft gefüllt, wird aus Papierschnipseln neues Papier – und alles dreht sich zum Schluss noch einmal rundum. Ein faszinierendes Sachbilderbuch, mit grundlegenden Informationen, ganz einfach und anschaulich.