„Dunkelnacht“ von Kirsten Boie

Aus historischen Fakten formt sie eine eindringliche Geschichte: Erfolgsautorin Kirsten Boie. Archivfoto: dpa

Statt des Friedens kommt der Tod: Kirsten Boie erzählt eindringlich von einem Verbrechen in den letzten Weltkriegstagen. Ein erschreckendes und dabei aktuelles Buch.

Anzeige

BUCH. In der Nacht zum 29. April 1945 ereignete sich in der kleinen Stadt Penzberg in Oberbayern ein grauenhaftes Verbrechen, bei dem 16 Frauen und Männer ermordet wurden, der Krieg war fast zu Ende. Der Einmarsch der Amerikaner stand direkt bevor. Ein Radiosender hatte das Ende des Krieges angekündigt. Der ehemalige, von den Nazis abgesetzte Bürgermeister Hans Rummer kehrte mit seinen demokratischen Weggefährten ins Rathaus zurück, um die friedliche Kapitulation vorzubereiten. Doch dazu kam es nicht: Mitglieder der Wehrmacht und des Werwolfs brachten auf Befehle des Münchner Gauleiters Paul Giesler alle Widerständler um.

Kirsten Boie hat die historischen Tatsachen in eine knappe, ungemein eindringliche Erzählung eingebunden. Sie lässt drei Jugendliche aus unterschiedlichen Sichten erzählen. So erscheint die Nähe von Tätern und Opfern, werden Schweigen und Wegschauen erschreckend hautnah: Während sich zwischen Schorsch und Marie, gegen alle Bedenken der Eltern, eine heimliche Liebe anbahnt, folgt Gustl dem ersehnten Einsatzbefehl als junger Werwolf. Kirsten Boie schreibt mit ihrem Buch gegen das Vergessen an, nicht, um Jugendliche von heute in Schuldgefühle einzubinden. „Aber was einmal passiert ist, kann wieder passieren. Und das Wissen darum sollte auch die nächsten Generationen begleiten“, schreibt sie. „Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem Wissen viele Entscheidungen anders und vielleicht menschlicher treffen, als wir es ohne getan hätten.“ Ein erschreckendes – und dabei so aktuelles Buch! Es bleibt mit allen seinen Bildern im Gedächtnis.