Auf ein Wort: Schindluder

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Nach dem fürchterlichen Flugzeugunglück mit 150 Toten in den französischen Alpen berichtete ein Korrespondent, dass die Absturzstelle bewacht werde, damit "niemand dort...

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. Nach dem fürchterlichen Flugzeugunglück mit 150 Toten in den französischen Alpen berichtete ein Korrespondent, dass die Absturzstelle bewacht werde, damit "niemand dort Schindluder treiben" könne.

Diese Wortwahl kann ich ihm nur durchgehen lassen, weil er seinen gesprochenen Beitrag in großer Eile formulieren musste. Denn was er auf die Schnelle mitteilen wollte, das bezog sich auf einen befürchteten Missbrauch von Überresten der Unglücksmaschine. In der Bedeutung "missbrauchen" wird "Schindluder treiben" zwar heute ganz selbstverständlich verwendet: So heißt es etwa, dass mit den bei der Fahrzeug-Maut erhobenen Daten möglicherweise Schindluder getrieben werden könne. Die Daten würden also für andere als die ursprünglichen Zwecke missbraucht.

Schindluder

Schaut man allerdings auf den Ursprung des Wortes Schindluder, dann wird klar, dass es um eine sehr spezielle und eher unappetitliche Angelegenheit geht. Schinden hieß nämlich schlicht und ergreifend, einem Tier das Fell abzuziehen. Wer diese Arbeit tat, der wurde als Schinder bezeichnet. Noch im Mittelalter wurde schinden auch im übertragenen Sinne gebraucht und stand für ausrauben, quälen oder misshandeln.

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Und was ist mit dem Luder? Dieses Wort ist schon im Mittelalter ein Fachausdruck für die Lockspeise eines Jagdfalken gewesen, dann aber auch im Sinne von Aas verwendet worden. Ein Luder hieß aber auch, wer es mit den guten Sitten nicht so genau nahm. Noch heute steckt etwa im Wort "Boxenluder" eine abfällige Bewertung der betreffenden Person. Das seit dem 19 Jahrhundert gebräuchliche "Schindluder treiben" verschärft also das Verwerfliche einer Tat und erhebt den moralischen Zeigefinger.