Auf ein Wort: Fromm

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Es könne der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefalle - sagt Friedrich Schiller im Freiheitsdrama "Wilhelm Tell". Hatte er damit einen extrem...

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. Es könne der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefalle - sagt Friedrich Schiller im Freiheitsdrama "Wilhelm Tell". Hatte er damit einen extrem frommen Menschen im Sinn, der sich gegen die Angriffe des Bösen wehren muss? Immerhin heißt fromm laut Duden religiös - allerdings auch scheinheilig, rechtschaffen oder gehorsam. Natürlich ging es in Schillers Drama tatsächlich um einen rechtschaffenen Mann, der sich gegen die Zumutungen wehren muss, mit denen ihn der Landvogt quält. Denn gehorsam ist er offenbar seinem Feudalherren nicht und er trägt weder seine Religion zur Schau noch ist er als besonders gläubig zu betrachten.

Fromm

Das Wort fromm stammt vom mittelhochdeutschen "vrum, vrom" ab, was soviel bedeutete wie nützlich, brauchbar, tapfer. Diese Eigenschaft war abgeleitet worden vom Tätigkeitswort "frommen", das heute kaum noch jemand kennt. Der Duden hat es bereits in die Liste jener Wörter eingereiht, die auf dem Sprachfriedhof liegen. Solange man es noch benutzt, heißt es soviel wie nützen. "Was frommt es mir?" ist also die historische Übersetzung für "Was habe ich davon?".

Doch zurück zum Frömmsten und seinem bösen Nachbarn: "böse" kommt vom althochdeutschen "bosi", das dem eigentlichen Wortsinn nach laut Duden "aufgeblasen, geschwollen" bedeutet. Und da sind wir wieder ganz nah bei Wilhelm Tell, der sich dem aufgeblasenen Landvogt nicht beugen wollte. Der hatte nämlich verlangt, dass sein bloßer, auf eine Säule gesetzter Hut unterwürfig zu grüßen sei. Als Tell das nicht tat, wurde er gezwungen, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen. Der Meisterschuss gelang, der nächste galt dem bösen Landvogt.