Tanzfestival Rhein-Main mit 18 Produktionen ab Ende Oktober

„Lovetrain“ von Emanuel Gat feiert die Wave-Musik von „Tears for Fears“. Foto: Julia Gat

Stell dir vor, sie tanzen wieder: Unter dem Motto „Imagine“ gibt es Gastspiele in Darmstadt, Wiesbaden, Frankfurt und Offenbach. Die Zukunft des Festivals ist zunächst gesichert.

Anzeige

FRANKFURT. „Der Lockdown hat an unserer Kreativität und Kraft gezehrt.“ Anna Wagner und Bruno Heynderickx, Kuratoren des Tanzfestivals Rhein-Main, räumen vorneweg ein, wie sehr ihnen das vorzeitige Aus vor einem Jahr zugesetzt hat: Das fünfte Tanzfestival war nach dem ersten Wochenende der Pandemie zum Opfer gefallen. Nun kündigen sie die sechste Ausgabe an (28. Oktober bis 14. November) mit 18 Produktionen, die in Darmstadt, Wiesbaden, Frankfurt und Offenbach gezeigt werden. „Imagine“ (stell dir vor) lautet das Motto. Um den Prozess der künstlerischen Imagination soll es gehen.

In der herausgehobenen Porträt-Reihe „Spotlight“ stellt sich der israelische Choreograf Emanuel Gat mit zwei Stücken vor. Zum Festival-Auftakt zeigt seine Company am 28. und 29. Oktober im Frankfurter LAB als deutsche Erstaufführung „Act II & III“ – entstanden im Moment größter Frustration, als Gat und seine Truppe im Theater von Metz spielen wollten, wegen Corona aber nicht konnten. „Wir müssen was machen“, war das Gefühl der Truppe, erinnert sich der Choreograf. Und so entstand innerhalb von zehn Tagen im geschlossenen Theater das neue Stück, das sich mit zwei Akten aus der Oper „Tosca“ auseinandersetzt. Eigentlich hätte Gats Truppe statt des ungeplanten Kreativ-Workshops das Stück „Lovetrain 2020“ zu Musik von „Tears for Fears“ zeigen sollen – zu sehen nun am 7. November in Darmstadt.

Viele weitere Programmpunkte präsentieren in den mehr als zwei Festivalwochen internationale, aber auch regionale Künstler wie Joana Tischkau aus Frankfurt, die als Jugendliche mit Hip-Hop begann und nun das Stück „Being Pink Ain‘t Easy“ über den Machismo der Szene vorstellt (8. bis 10. November im Mousonturm).

Die Zukunft des Festivals ist zunächst gesichert. Der Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main finanziert drei weitere Ausgaben. Themen wie Behinderung und Barrieren, Schule und Vermittlung, aber auch Formen jenseits westlicher Ästhetik sollen dann im Blickpunkt stehen. Für die Zeit nach 2025 mahnt Kulturfonds-Chefin Karin Wolff eine institutionelle Förderung durch die beteiligten Kommunen und das Land Hessen an. Nach zehn Jahren wäre dem Tanzfest dann auch ein festes Fundament zu wünschen.