Kurioses in der deutschen Sprache

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„Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern.“ Bevor Sie jetzt fragen, was das bedeuten soll: Es handelt sich um ein sogenanntes „Pangramm“, einen Satz,...

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. „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern.“ Bevor Sie jetzt fragen, was das bedeuten soll: Es handelt sich um ein sogenanntes „Pangramm“, einen Satz, der sämtliche Buchstaben enthält, die in der deutschen Sprache vorkommen. Eine sinnvolle Aussage darf man da nicht erwarten. Leider bleibt auch der Ehrgeiz, jeden Buchstaben nur ein einziges Mal zu verwenden, unerfüllt: Wörter ohne mindestens einen Vokal gibt es im Deutschen nicht.

Die Duden-Redaktion hat ein „kleines Kuriositätenkabinett“ der deutschen Sprache herausgebracht. Da finden sich Spielereien wie etwa jene Pangramme oder auch die „Palindrome“, also Sätze, die vorwärts und rückwärts gelesen denselben Wortlaut ergeben. Wenn jetzt jemandem der bekannteste deutsche Palindromsatz einfällt, der mit dem N-Wort und der Gazelle im Regen – die Redaktion hat ihn durch ein anderes Beispiel ersetzt: „Nie, Knabe, nie, grub Nero neben Orenburg eine Bank ein.“

Unregelmäßigkeiten und Ausnahmen

Da finden sich allerlei Missverständnisse bei der Einbürgerung von „Fremdwörtern“, Statistiken zur Verteilung der Buchstaben in den Stichwörtern des „Rechtschreibdudens“ usw. usf. Nicht zuletzt die berühmt-berüchtigten Unregelmäßigkeiten und Ausnahmen, die Verstöße gegen jede Logik, an denen das Deutsche – wirklich oder angeblich – so viel reicher ist als andere Sprachen. Da ist etwa das berüchtigte „Fugen-s“. Warum heißt es „Rindfleisch“, aber „Rindsroulade“? Oft ist zu lesen, es würde sich um ein „Genitiv-s“ handeln. Doch diese Erklärung wirkt zum Beispiel bei „Mitternachtsstunde“ nicht schlüssig.

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Oder die Pluralbildung: Man sagt „Bände“, wenn es sich um Bücher handelt, „Bänder“ bei Tonaufnahmen, „Bands“ bei Musikgruppen. Und „Bande“, wenn es um die Verbundenheit etwa in einer Familie geht – was wiederum nichts mit „Bande“ im Sinn einer kriminellen Vereinigung zu tun haben muss. Auch die Frage, welcher Teil eines zusammengesetzten Adjektivs korrekt zu steigern ist, kann zur Verzweiflung treiben. Es heißt „hochgestellt – höhergestellt – höchstgestellt“, aber nicht, wie demnach zu erwarten wäre, „höhermütig“, sondern „hochmütiger“.

Gegenüber dem Englischen und Französischen tut sich das Deutsche tatsächlich in der Kunst hervor, „Bandwurmwörter“ zu bilden. Das längste Wort, das im aktuellen Duden verzeichnet ist, zählt 44 Buchstaben: „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“. Auch die aktuellen Kontroversen um das feministische „Binnen-i“ und die „Gendersternchen“ sind ausgeklammert. Das zeugt von einer gewissen Konfliktscheu – für einen Teil der Sprachcommunity handelt es sich in der Tat um „Kuriositäten“, der andere Teil sieht darin Meilensteine auf dem Weg hin zu einer gerechteren Gesellschaft. Andere Phänomene des gesellschaftlichen Wandels, Stichwort Internet, sind dagegen aufgenommen. Wissen Sie, was „:

Das Englische hat seit einigen Jahrzehnten für das Deutsche eine Leitfunktion übernommen. Etwa vier Prozent der Wörter, die im Deutschen verwendet werden, sind „Anglizismen“ oder „Amerikanismen“, hat die Duden-Redaktion ausgezählt. Die Kritik an der Fremdwörterflut ist übrigens keineswegs neu. Im 17. Jahrhundert versuchte man sich in Verdeutschungen, die oft Erfolg hatten, manchmal jedoch im Rückblick als Kuriosa erscheinen. Können Sie sich vorstellen, was ein „Meuchelpuffer“ sein sollte? Ganz einfach: eine Pistole. Kuriosa der deutschen Sprache von heute, jedenfalls von außen betrachtet, sind die Pseudo-Anglizismen. So gibt es „Handy“ im Englischen nur als Adjektiv mit der Bedeutung „handlich“, das Gerät heißt „mobile phone“. Und, nahezu makaber: „Public viewing“ ist im Englischen kein „Rudelgucken“ sportlicher Events auf Großleinwänden, sondern eine öffentliche Aufbahrung. Noch ein Beispiel aus dem Jiddischen, dem das Deutsche so viele Ausdrücke wie zum Beispiel „meschugge“ und „Schlamassel“ verdankt: „Hals- und Beinbruch“ ist eine Verballhornung von „hazloche und broche“, das bedeutet ganz einfach „Glück und Segen“.

Im 19. Jahrhundert wurde schon gegendert

In manchen Fällen ist der aktuelle Sprachgebrauch dabei, Formen wiederzuentdecken, die es bereits einmal gegeben hat. Wenn man sich über „gegenderte“ Formulierungen wie „Gäste und Gästinnen“ aufregen will – bereits in Grimms „Deutschem Wörterbuch“ mitten im 19. Jahrhundert finden sich Belege für „Gästin“. Dafür sind andere Prägungen in Vergessenheit geraten. Bis 1926 war im Duden das heute ganz und gar unverständliche Wort „beleibzüchtigen“ verzeichnet – ein Ausdruck der Rechtssprache, er meinte „mit einem lebenslangen Unterhalt versehen“.

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Das schönste deutsche Wort lautet einem internationalen Wettbewerb zufolge, den der Deutsche Sprachrat 2004 ausrichtete, „Habseligkeiten“. Auf Platz 2 stand „Geborgenheit“, auf Platz 5, etwas überraschend, „Rhabarbermarmelade“. 2007 kürte eine andere Jury „Kleinod“ zum „schönsten bedrohten Wort“, auf den Plätzen 2 und 3 folgten „blümerant“ und „Dreikäsehoch“. Bereits seit 1977 wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache regelmäßig ein „Wort des Jahres“. Es soll in kürzestmöglicher Form jene Diskussionen bezeichnen, die das Jahr prägten. 2010 waren es zum Beispiel die „Wutbürger“, 2016 der Ausdruck „postfaktisch“.

Von Josef Tutsch