Hier bleiben keine Wünsche offen

Wenn Manni Kreutzer spricht und Tessie Texas lauscht: Dietrich Faber zeigte sich im Volksbank-Forum in Bestform.  Foto: Schultz

Dietrich Faber und seine musikalischen Gäste glänzen noch einmal zum Abschluss seiner "Corona-Kultur-Show" im Gießener Volksbank-Forum.

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GIESSEN. Ein "rauschendes Finale" der einmal mehr ausverkauften "Corona-Kultur-Show" feierten Gastgeber Dietrich Faber und seine Gäste jetzt im Gießener Volksbank-Forum. Zum sechsten und letzten Mal hatte der Kabarettist, Musiker und Schriftsteller Künstlerkollegen eingeladen. Diesmal waren die "Nick-Ramshaw-Band" und seine eigene Formation "Manni Kreutzer & The Overhesse" dabei. Es wurde ein knackiger, höchst unterhaltsamer Abend.

Kein Wunder, mit Ramshaw, einem Vollblutprofi und seinen adäquaten Mitspielern Christian Krauß (Keyboard), Oli Pohl (Schlagzeug) und Frank Höfliger (Bass) kommt ein hochwertiges Quartett zusammen, mit dem man in der Popmusik so ziemlich alles spielen kann. Schon beim Auftaktstück "Missing you", einer sanften Popballade, klärte Ramshaw, der alle vorgetragenen Titel schrieb, die Richtung: Pop, aber kein Rock. "Ich hab die Beziehung zu meiner elektrischen Gitarre verloren", erklärte er am Rande des Konzerts. Die Show war professionell gemacht und eingängig, für viele im Publikum genau das Richtige nach einem langen Arbeitstag.

Bei "Let me go" begannen die Musiker erstmals zum Glänzen, authentisches Gefühl schien auf - amtlicher Pop. Das volle Spektrum der Band kam dann mit dem ersten Glanzlicht "Catch my heart". Der leicht angejazzte Stil und vor allem ein famoser vierstimmiger Gesang nahmen die Zuhörer restlos für sich ein; eine seltene Wohltat, weil schwer zu realisieren. Doch mit Ramshaws angenehmen, sicheren Tenor an der Spitze und der gesammelten Erfahrung und Hingabe dieser vier Profis fühlte man sich einfach richtig gut. Hinzu kam der überraschend gute Sound in der Halle, den Krauß wie in allen Folgen der Show zuvor eingerichtet hatte. Noch ein Glanzlicht war der Titel "Back in the days", ein freundlicher Blick zurück auf die eigene Jugend. "There was never rain, just sun", sang Ramshaw. Der Song besaß einen waschechten Simon & Garfunkel-Charme. Das Repertoire war von Vielseitigkeit geprägt, die Vokalarrangements variierten, es gab Stilwechsel auch bei den Instrumenten. "Never a dull moment" könnte das Motto der Band lauten. Riesenapplaus.

In der zweiten Runde des Abends liefen dann Gastgeber Faber und seine Mitspieler zu beachtlicher Form auf. Er legte schon immer sein Herz in die Showreihe, diesmal ging es um einen Auftritt der wohlbekannten, interessant merkwürdigen Band "Manni and the Overhesse". Der steht Faber als "Manni Kreutzer" vor und erledigt dabei gleich die Moderation mit, eine Art Dauergespräch mit dem Publikum. Auch in dieser Formation sind weitere Spitzenkräfte am Werk: Der hochkompetente Georg ("George the Bear") Bär an der Fiedel, Tess Wiley ("Tessie Texas") mit Geige und Gesang, Frank Höfliger am Bass, Michael Harries (Gitarre, Mandoline) sowie Tim Potzas (Steel und Lapsteel Guitar).

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Faber selbst war gesanglich und komödiantisch sehr gut disponiert und machte auch an Gitarre und Geige alles richtig. Jedenfalls so viel, wie seine Rolle erforderte. Was Absicht ist oder missglückt, weiß man manchmal einfach nicht. Die "Overhesse" lieferten jedoch bei aller ausgeschlafenen, dialektgesättigten Kalauerei Fabers keineswegs eine läppische Komödiantenmischung. Vielmehr gelingt ihnen ("Minus Blues") authentische Countrymusik mit hessischem Einschlag und dem spezifischen "Manni"-Charme, vor allem jedoch mit herausragenden Elementen. Wenn Tim Potzas in die Saiten greift, weht zauberhafter Countryklang in den Saal, Bärs Fiedelei ist das einzig Wahre, und Harries Beiträge lassen ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Ganz wesentlich bestimmte Tess Wiley mit ihren Vokaleinsätzen und lustigen Klavieraktionen den heiteren Charakter des Auftritts.

Beachtlich, wie Faber in seinen Liedern die mundartlichen mit den Countryelementen verbindet und auch gesanglich überzeugt. Schön, dass er dabei auch kritische Aspekte berührt, etwa in "Hey du". Darin heißt es: "Hör auf mit dem Hetzen und Menschenverletzen". Ein weiterer Höhepunkt war die Zugabe, der "Manni-Waltz", schön genremäßig eingeschmust, top hessischer Gesang mit Wiley. Da wurden noch mal mit großem Charme und ebensolcher Hingabe die Country-Klischees durchdekliniert, und alle hatten einen Riesenspaß. Langer Beifall.