Dritte Staffel der Serie „Babylon Berlin“ ab Freitag in...

„Ich kiek mich mal um“: Liv Lisa Fries ermittelt wieder als Charlotte Ritter. Foto: ARD

Ein neuer Fall für Gereon Rath und Charlotte Ritter – wieder mit tollem Ensemble. Doch diesmal fehlt der starke Gegenspieler.

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. „Babylon Berlin“, das war in den ersten beiden Staffeln stets auch eine Hommage ans Kino der Weimarer Republik zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Die dritte Staffel, wieder sehr frei nach Volker Kutschers zweitem Gereon-Rath-Roman „Der stumme Tod“, beginnt nun mit einem Mord in den Babelsberger Studios.

Dort hat der Tonfilm Einzug gehalten, und sie drehen gerade ein Ausdruckstanzmusical im Stil von „Dr. Caligari“. Da rauscht ein schwerer Scheinwerfer herunter und erschlägt den Star Betty Winter. Was wie ein Unfall ausschaut, erweist sich schnell als mörderischer Sabotage-Akt.

Die Geschichte spielt fünf Wochen vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, die hier schon als apokalyptischer Albtraum durch den Prolog spukt. Das faschistische Attentat auf einen Regierungsrat aus der zweiten Staffel ragt auch noch in diesen neuen Fall für Kommissar Gereon Rath hinein. Nach der Premiere im Bezahlfernsehen bei Sky im Januar folgt nun die frei empfangbare Ausstrahlung im Ersten.

Was Henk Handloetgen, Achim von Borries und Tom Tykwer vorlegen, prunkt erneut mit großartigen Schauwerten. Wie hier eine Epoche in Kostümen und Bauten, aber auch in Stil und Personal aufersteht, das kann sich erneut sehen lassen. Und doch bleibt die dritte Staffel hinter dem begeisternden Auftakt zurück. Nicht zuletzt, weil Peter Kurth nicht mehr dabei ist, dessen korrupter Kommissar Wolter sterben musste. Nun fehlt der Hauptfigur ein starker Gegenspieler.

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Ein Held mit Traumata aus Liebe und Krieg

Gereon Rath scheint denn auch anfangs mehr mit sich selbst zu tun zu haben: mit seiner unglücklichen Beziehung zur Schwägerin Helga (Hannah Herzsprung) ebenso wie mit seinem Kriegs- und Familientrauma. Zwar greift der Kommissar nicht mehr gleich zum Morphium, doch ist er nun offenbar abhängig von der Hypnose seines Therapeuten.

Das Getändel mit Assistentin Charlotte Ritter im Paternoster kommt denn auch nicht recht voran. Während Volker Bruch seine Figur fiebrig verkniffen zu Werke gehen lässt, darf Liv Lisa Fries mit Hut, Herz und Handtasche ermitteln. Sie absolviert Spurensicherung mit Berliner Schnauze: „Ich kiek mich mal um“, flötet sie und erdet kriminalistische Methodik im Milljö.

Das ist immer wieder erfrischend, für einen Zwölfteiler, der schon am Anfang nicht richtig vom Fleck kommt, dann aber doch zu wenig. Dramaturgisch geht die dritte Staffel als Parade der tollen Typen vor allem in die Breite. Was die Produktion hier an Schauspielern der ersten Garde aufbietet, ist allemal sehenswert: Etwa Karl Markovics als Wiener Kaffeehausreporter, der in Berlin einen Rüstungsskandal aufdeckt, und Fritzi Haberlandt als seine wackere Wirtin, die ihn mit Saftgulasch stärkt. Ronald Zehrfeld und Misel Maticevic könnten als Schurken auch in der „Dreigroschenoper“ anheuern. Lars Eidinger spielt wieder den manisch-depressiven Unternehmersohn, der nun den Größenwahn des Weltfinanzsystems diagnostiziert. Und Benno Fürmann ist als politischer Verschwörer aus dem Regierungsapparat ein veritabler Mephisto mit Mensurennarbe.

So entstehen gelungene Porträts und pointierte Miniaturen. Man kann diesem Ensemble, zu dem auch noch Thomas Thieme, Ernst Stötzner, Meret Becker und Martin Wuttke gehören, denn auch lange mit Gewinn zuschauen, doch dabei erlahmt irgendwann das Interesse am Mord in Babelsberg.