Das Prinzip Hoffnung: „Star Trek: Discovery“ auf Netflix

Die Erste Offizierin Michael Burnham (Sonequa Martin-Green, r., mit Michelle Yeoh als Captain Georgiou) ist eine der neuen Hauptfiguren. Foto: dpa  Foto: dpa

Müsste man den ersten Eindruck, den die neue „Star Trek“-Serie „Discovery“ vermittelt, in ein Wort fassen, wäre es wohl dieses: Hoffnung. Das ist nicht nur positiv...

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MAINZ/WIESBADEN/DARMSTADT. Müsste man den ersten Eindruck, den die neue „Star Trek“-Serie „Discovery“ vermittelt, in ein Wort fassen, wäre es wohl dieses: Hoffnung. Das ist nicht nur positiv gemeint. Denn aus Gründen, die hier nicht verraten werden sollen, wirken die Folgen, die seit Montag im Streaming-Dienst Netflix zur Verfügung stehen, wie ein langer Prolog. Darüber, wie die tatsächliche Serie aussehen wird, verraten sie nicht so viel. Das ist nicht ideal – und doch lassen die zwei Episoden hoffen: Es könnte sich bei „Discovery“ tatsächlich um „Star Trek“ handeln.

Die Erste Offizierin Michael Burnham (Sonequa Martin-Green, r., mit Michelle Yeoh als Captain Georgiou) ist eine der neuen Hauptfiguren. Foto: dpa  Foto: dpa
In mehr als 50 Jahren „Star Trek“ sahen die Klingonen immer wieder anders aus – das neue Design ist gewöhnungsbedürftig, Foto: CBS/Netflix  Foto: CBS/Netflix

Das ist nicht selbstverständlich. Tatsächlich steht das Franchise seit Langem vor einem Problem, das die letzten Neustart-Versuche (die vorzeitig abgesetzte Serie „Enterprise“; die Kinofilme von J.J. Abrams/ Justin Lin) nicht überzeugend lösen konnten: Egal, ob man es dafür liebt oder nicht – „Star Trek“ hat sich von anderen Science-Fiction-Formaten immer dadurch unterschieden, dass es eine fundamental optimistische, ja utopische Zukunft entwirft. Eine Welt, in der die Menschheit viele ihrer Probleme (Krieg, Hass, Armut und andere Kleinigkeiten) gelöst hat, und mit Außerirdischen in einer friedlichen Koexistenz namens Föderation lebt (natürlich nicht mit allen). In der Soldaten im äußersten Notfall Soldaten sind, eigentlich aber Forscher und Entdecker.

Nicht erst seit den letzten Wahlen in den USA oder aktuell in Deutschland fällt es schwer, eine solche Zukunftsvision glaubhaft zu vermitteln – nicht umsonst haben Antihelden seit geraumer Zeit Konjunktur. „Discovery“ scheint jetzt tatsächlich eine vielversprechende Lösung gefunden zu haben: Es spielt zeitlich wenige Jahre vor der Originalserie – Föderation und Sternenflotte sind fest etabliert, und einige Szenen zu Beginn vermitteln die Faszination, die Freude am Erforschen des Universums. Aber gleichzeitig steht mit der Ersten Offizierin Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) ein nicht unproblematischer Mensch im Mittelpunkt. Aufgewachsen als Mündel des vulkanischen Botschafters Sarek, hat ein klingonischer Angriff sie als Kind traumatisiert. Das führt dazu, dass sie in der Gegenwart eine Reihe falscher Entscheidungen trifft. Mit katastrophalen Folgen für ihre Crew und die Föderation, die plötzlich im offenen Krieg mit den Klingonen steht. Ein Krieg, den die Klingonen jedoch auch forcieren – sie sehen sich und ihre Kultur vom Multikulturalismus der Föderation bedroht. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Allzu platten Analogien kann „Discovery“ aber bisher entgehen – wobei das neue Design der Klingonen sich als Manko herausstellen könnte. Nach Aussagen der Serienmacher sollte es die Außerirdischen „sexy“ und gefährlich wirken lassen – es wirkt aber vor allem entmenschlichend. Das behindert die Handlung, die künftig davon leben muss, dass auch die klingonische Position für den Zuschauer nachvollziehbar ist.

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Der entworfene Grundkonflikt aber hat Potenzial: Burnhams Traum von einer Sternenflotten-Karriere scheint am Ende der ersten zwei Folgen zerstört. Und gleichzeitig ist klar, dass sie darum kämpfen wird. Der Kampf um die Utopie, das Hoffen selbst in der Hoffnungslosigkeit – das klingt schon ziemlich nach „Star Trek“ für das 21. Jahrhundert.

Von Johanna Dupré