Bildhauerische Interventionen in Gießen entlang der Lahn

Catherina Rother pflanzt Brennnesseln in ihr „Künstliches Paradies für Wildpflanzen“. Fotos: Hahn-Grimm

Studierende des Instituts für Kunstpädagogik haben zusammen mit Projektleiter Prof. Ansgar Schnurr das linke Lahnufer vom Rugbyfeld bis hin zum Rübsamen-Steg aufgepeppt.

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GIESSEN. GIESSEN. Da gibt es schon allerhand zu schauen: Trotz Corona, Lockdown und geschlossener Werkstätten haben Studierende des Instituts für Kunstpädagogik zusammen mit Projektleiter Prof. Ansgar Schnurr das linke Lahnufer vom Rugbyfeld bis hin zum Rübsamen-Steg mit beeindruckenden Skulpturen aufgepeppt. Ihr Thema lautet „Bildhauerische Interventionen im Lahnpark“. Die Ausstellung ist in Kooperation mit der Lahnpark GmbH entstanden und noch bis zum 2. Oktober zu sehen.

Catherina Rother pflanzt Brennnesseln in ihr „Künstliches Paradies für Wildpflanzen“. Fotos: Hahn-Grimm
Luft, UV, Natur oder Erde für zehn Cent gibt es am „Naturtomat“ von Stefania Gerundo.

Während des Sommersemesters 2020 haben sich Kunststudierende der Justus-Liebig-Universität in einem bildhauerischen Seminar mit dem Landschaftsraum auseinandergesetzt. Unter Corona-Bedingungen musste die Lehrveranstaltung ohne Präsenz ausschließlich per Videokonferenz durchgeführt werden. Umso größer die Freude, als zum Sommer die bildhauerischen Werkstätten der JLU wieder öffneten und die praktische Arbeit beginnen konnten. „Besonders gefreut hat es uns auch, die Arbeiten endlich wieder in einer Ausstellung zu präsentieren“, betonte Schnurr bei einem Rundgang entlang der Lahn.

Direkt am Oswaldsgarten/Zu den Mühlen ist das erste von insgesamt 13 Ausstellungsstück zu entdecken, das jedoch zunächst gar nicht als solches zu erkennen ist. Ein alter Kaugummiautomat bietet Erholungssuchenden an, sich ein Stück Natur aus dem Automat ziehen zu können. Für zehn Cent gibt es Luft, UV, Natur oder Erde. „Ein Angebot für Express-Naturliebhaber in der Mittagspause“, beschriebt die Kunststudentin Stefania Gerundo ihr Projekt, das sie mit akribischer Genauigkeit und einer guten Portion Humor angefertigt hat.

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Nicht zu übersehen ist kaum 50 Meter weiter die Installation von Frauke Hubal mit dem Titel „Mahnmal der gefallenden Fahrräder“. Hintergrund: Einmal jährlich wird die Lahn von Schrott und Müll befreit, immer wieder finden die freiwilligen Helfer dann auch Fahrräder, die nicht selten von den Brücken herabgeworfen werden. Die bunte Skulptur aus Schrotträdern präsentiert die Kunststudentin ganz ortsspezifisch unter der Sachsenhäuser Brücke.

Ein geradezu historisches Stück Gießen fand Regina Makko für ihre Arbeit. Ein Stück altes Edelstahlgeländer in der Wiese markiert genau den ehemaligen Verlauf der Lahn und den Standort des Müllerschen Bades. Nach der Verlegung des Flusslaufes und dem Bau der Konrad-Adenauer Brücke in den 1960er Jahren konnte sich kaum noch jemand daran erinnern, dass die Lahn früher anders verlaufen war. Umso schöner, dass Regina Makko nun in ihrer Arbeit „Freibad“ genau an diese Zeiten anknüpft. Die Kunststudentin goss eine silbrig lackierte Betonplatte um den Handlauf und lässt die Assoziation an den Badebetrieb wieder aufleben.

Ganz im Sinne der Naturliebhaber und Sonnenanbeter ist das Werk „Pillow“ von Monika Kunkel zu verstehen. Die junge Künstlerin modelliert ein riesiges Kissen aus Beton, eine Einladung, sich hier auf den Lahnwiesen nieder zu lassen.

Ein Stück weiter flussabwärts fällt ein kunstvoll selbst geschweißtes Gewächshaus ins Auge. „Künstliches Paradies für Wildpflanzen“ nennt Catharina Rother ihre menschliche Arbeit. Brennnesseln wuchern an dieser Stelle der Lahnaue hüfthoch neben einem ehemaligen Fledermaushabitat. Die Künstlerin gräbt die Brennnesseln vor Ort aus und pflanzt sie liebevoll in Blumentöpfe, die sie in ihrem Gewächshaus der Reihe nach aufstellt. „Damit wollte ich nur einmal das menschliche Nutzen und Bewahren von Natur verdeutlichen“, kommentiert die Künstlerin.

Soweit ein paar Beispiele. Dr. Ansgar Schnurr erläutert die Aufgabe, mit der sich die Studierenden auseinanderzusetzen hatten. „Ein inhaltlicher Fokus liegt auf den verschiedenen und teilweise konkurrierenden Nutzungsarten zwischen stadtnahem Erholungsraum und Naturhabitat“, betont er. Menschliche Umformungen und Eingriffe in den schmalen Landschaftsstreifen, der sich innerhalb der Stadt als Naturraum behauptet, werden von vielen Werken aufgegriffen. Ausgestellt werden ausschließlich temporäre Installationen aus Stahl, Beton Holz und Kunststoff. An den Skulpturen sind jeweils kleine Hinweisschilder zu finden mit dem Namen der Künstlerin und dem Titel des Werkes.

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„Es war allen Beteiligten ein besonderes Anliegen, in dieser durch Pandemie geprägten Zeit, in der gerade die Kultur stark reduziert ist, ein künstlerisches Ausstellungsprojekt in der Region und für Gießen zu erarbeiten.