Zuviel Sex ohne Sex

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Tun sie's oder tun sie es nicht? Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sind frustriert. Und lassen es bleiben.  Foto: ARD Degeto/ORF/Petro Domenigg

Von Kirsten OhlweinEtwas ratlos bleibt der Zuschauer nach dem Tatort vom Sonntagabend zurück. Wir sind in Wien. Bei Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele...

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. Von Kirsten Ohlwein

Etwas ratlos bleibt der Zuschauer nach dem Tatort vom Sonntagabend zurück. Wir sind in Wien. Bei Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Ihr neuester Fall heiß;t "Sternschnuppe" und ist eine ebensolche: relativ kurz relativ schön anzusehen, lässt den Betrachter Wünsche äuß;ern, aber diese letztlich unerfüllt. So ungefähr funktioniert der 90-Minüter aus der österreichischen Hauptstadt.

Zum Inhalt: Musikmanager Udo Hausberger (Peter Karolyi), eben noch Teil der Jury einer Castingshow, wird stranguliert in seiner Villa gefunden. Die ersten Hinweise deuten auf einen Unfall hin, doch später kommt raus: Es war Mord.

Denn in der Luftröhre des Toten wird ein Zettel entdeckt, auf dem ein Songtext zu finden ist. Das Lied mit diesem Text sollte Aris Graf (Rafael Haider), Favorit auf den Sieg der Sendung, im Finale singen. Ins Visier der Ermittler geraten schnell mehrere Personen, und die vielen dunklen Geheimnisse der Beteiligten werden selbstverständlich erst am Ende enthüllt.

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Das Problem mit diesem Tatort: Es fällt eindeutig zu oft das Wort "Sex", ohne dass jener dann zur Ausführung kommt und zur kurzzeitigen Entspannung oder Belüftung der Kommissar-Köpfe beiträgt. Eisner und Fellner sind sexuell frustriert, und das erfahren wir in den ersten 30 Minuten in nahezu jeder Szene. Weil diese Nebenhandlung ohne Auflösung bleibt, stellt sich die Frage, ob sie überhaupt nötig war. Die einzige Antwort darauf kann lauten: Sie war es, denn sonst wäre der Film nach nicht einmal 60 Minuten beendet gewesen.

Zeitweilig unterhaltsam wird es immer dann, wenn Eisner und Fellner fernab ihrer persönlichen Probleme hinter die Kulissen einer Casting-Show blicken und vermutlich viel Wahres enthüllen. Unter dem Strich steht kein wahnsinnig spannender Tatort aus Wien, der in 90 Minuten aber immer noch mehr zu bieten hat als viele andere seiner Zunft. Allem voran sind die grandiosen Hauptdarsteller Krassnitzer und Neuhauser zu nennen, die die teilweise sehr hölzernen Dialoge so stark machen, dass der Wunsch für die nächste Sternschnuppe lautet, den beiden Kommissaren ein bisschen Sex miteinander zu wünschen.