Zum Stöhnen

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Von Links: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) befragt zwei Pornodarsteller (Martin Bruchmann, Sebastian Fischer) am Set.  Foto: BR/Hagen Keller

Ein Planschbecken, gefüllt mit Sperma. Zwei nackte Typen, die vor einem Hirschgemälde sitzen und ihr bestes Stück für den nächsten Dreh "warmhalten". Eine Swinger-Orgie zu...

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. Von Conny Schneider

Ein Planschbecken, gefüllt mit Sperma. Zwei nackte Typen, die vor einem Hirschgemälde sitzen und ihr bestes Stück für den nächsten Dreh "warmhalten". Eine Swinger-Orgie zu dröhnenden Bässen. Und mittendrin die Münchener Kriminalhauptkomissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl).

Denn die beiden ermitteln im Mordfall der 25-jährigen Marie Wagner. Studentin und Altenpflegerin. Tochter des Oberstaatsanwalts. Und Pornodarstellerin. Die junge Frau wird ermordet aufgefunden. Todeszeitpunkt: nach einem Gangbang-Dreh mit 25 Männern. "Welche Frau macht sowas freiwillig?" – "Welcher Mann macht sowas freiwillig?"

Batic und Leitmayr bewegen sich auf ungewohntem Terrain und stolpern dabei von einer bizarr-absurden Szenerie in die nächste. Regisseur und Drehbuchautor Philip Koch wollte in diesem "Tatort" Mut zum Ekel beweisen. Gelungen. Darüber hinaus wollte er mit den Klischees der Pornoindustrie aufräumen. Schwierig, wenn man dabei einen Film kreiert, der kaum ein Klischee auslässt.

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Der Zuschauer wird in "Hardcore" zum unfreiwilligen Voyeur – ebenso wie Batic und Leitmayr, die der Situation befremdlich, aber mit reichlich Galgenhumor begegnen. Verbale Höhepunkte in einer Vielzahl körperlicher Höhepunkte. Kritik an der deutschen Doppelmoral im Umgang mit Pornografie klingt immer mal leise an, wird aber zumeist vom Stöhnen des nächsten Drehorts wieder übertönt. Fakt ist: Koch will viel, letztendlich aber zu viel für 90 Minuten.