Und dann nie wieder Eiskaffee

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) granteln wieder um die Wette. Bild: ARD Degeto/ORF

Der Wiener "Tatort" wird derzeit versendet wie Ramschware. Dabei ist er alles, aber kein Ramsch.

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. Trotzdem: Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) haben wir seit Anfang September bereits vier Mal gesehen; "Verschwörung" ist nun sozusagen der fünfte Akt – und das eben nur innerhalb von sagenhaften acht Monaten. Andere Teams würden sich diesen Durchlauf wünschen. Die Schlagzahl der Österreicher ist derzeit enorm. Allerdings ist nach "Verschwörung" auch erst einmal Ebbe. Aus Wien gibt es derzeit keine weiteren Filme, die noch auf Halde liegen. Gedreht wird ebenfalls noch nicht.

Dass die ARD fast im Monatsrhythmus einen Eisner/Fellner-"Tatort" versendet, hat den Vorteil, dass die vorherigen Fälle noch so präsent sind, dass sich durchaus Vergleiche der einzelnen Filme anbieten. Und so lässt sich gerade über die letzten beiden Krimis sagen, dass die Qualität endlich wieder steigt. Mit "Die Amme" hatte Wien Ende März bereits mächtig aufgefahren. "Verschwörung" steht dem Vorgänger in nichts nach und legt sogar auf der Ebene des beißenden und dennoch herzerwärmenden Humors zwischen den Ermittlern nach. Es ist herrlich, sich mit Eisner und Fellner auf die Suche nach einem Mörder zu begeben, der lange im Schatten bleibt.

Zum Inhalt: Nachdem Majorin Bibi Fellner zuletzt Schlafprobleme hatte, hat sie nun Jogging für sich entdeckt. Im hochsommerlichen, heißen Wien läuft sie durch sattes Grün und begegnet dabei einem hohen Beamten des Innenministeriums, der ebenfalls als Jogger unterwegs ist. Wenig später werden Eisner und Fellner zum Fundort einer Leiche gerufen und Fellner erkennt den Mann wieder. Ihr Busenfreund und Kollege Moritz Eisner ist zwar gerade auf dem Sprung zu einem einjährigen Auslandseinsatz, übernimmt diesen Fall aber noch. Chef "Ernstl" (Hubert Kramar) ist hingegen noch nicht sicher, ob das wirklich ein Fall ist: Schließlich starb der Mann an einem Herzinfarkt nach einem Lauf bei viel zu heißen Temperaturen. Doch Eisner lässt sich weder beirren noch abschütteln. Er wittert mehr. Und dann kommt nicht nur die Absage aus Den Haag, sondern auch die Gewährung seiner Freistellung vom Dienst, um in die Niederlande zu gehen – die er nun aber gar nicht mehr braucht.

Mit viel zu viel Zeit zur Verfügung kann Eisner den Fall um den toten Mann nicht ruhen lassen. Und auch Bibi lässt sich durch vermeintliche Drohgebärden aus dem Ministerium nicht abschütteln.

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"Verschwörung" aus der Feder von Ivo Schneider und unter der Regie von Claudia Jüptner-Jonstorff stellt Eisner/Fellner in den Mittelpunkt und baut den Fall um das Ermittler-Duo herum. Das ist die große Stärke der Wiener, die einen ganzen Film auf diese Weise tragen können, weil Krassnitzer als grantelnder Eisner und Neuhauser als frotzelnde Fellner nach wie vor eine unglaubliche Chemie auf den Bildschirm kriegen. Die beiden leben Wien und "Tatort". Unbedingt einschalten, wer den Wiener Schmäh mag und damit leben kann, dass er nach "Verschwörung" nie wieder Eiskaffee bestellen wird.

Das Erste zeigt den "Tatort: Verschwörung" am Sonntag, 9. Mai, um 20.15 Uhr.