Tragischer Held und tickende Zeitbombe

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Grosz (Franziska Weisz) und Falke (Wotan Wilke Möhring) geraten in die Schusslinie. Foto: NDR/Sandra Hoever

Eine Lkw-Kontrolle auf der Autobahn, bei der die Bundespolizisten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) vor Ort sind, gerät außer Kontrolle, als ein...

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. Ein Fernfahrer wird dabei von einem Querschläger getroffen und stirbt. Täter und Motiv sind schnell bekannt. Zollbeamter Steffen Thewes (Milan Peschel) ist ein verzweifelter Vater, der für das Leben seiner sterbenskranken Tochter zu allem bereit ist. Um ihr eine lebensrettende Operation in den USA finanzieren zu können, erpresst er Jimmy Aksoy (Eray Egilmez), den Besitzer der Spedition. Thewes selbst hatte einst Ermittlungen gegen das Unternehmen wegen illegaler Abfalltransporte geleitet. Die Schüsse auf den Laster sollten eine Warnung sein, "der nächste Schuss trifft" – heißt es in seinen Erpresserschreiben. "300.000 Euro und keine Polizei." Doch Aksoy ist nicht gewillt, sich erpressen zu lassen – und Thewes läuft die Zeit davon.

Wer ist der Komplize von Thewes? Diese Frage ist eigentlich die einzige, die noch eine ganze Weile offen bleibt. Ansonsten ist der Fall klar, was den "Tatort: Querschläger" unter Regie von Stephan Rick jedoch nicht weniger spannend macht. Denn Thewes wird für andere und nicht zuletzt für sich selbst zur tickenden Zeitbombe.

Als Zuschauer entwickelt man unweigerlich Verständnis und Sympathie für den Täter, was ihm allerdings überflüssigerweise eine Spur zu häufig suggeriert wird. Die Welt mit den Augen von Thewes und seiner Tochter zu sehen – visuelle und akustische Sequenzen laden mehrfach dazu ein. Thewes, der tragische Held – ein bisschen weniger Pathos, ein bisschen weniger Klischees hätten der Handlung gut getan.

Falke und Grosz entwickeln sich derweil weiter zu einem ganz passablen Team, auch wenn weiterhin jeder darauf bedacht ist, nach Möglichkeit sein eigenes Ding zu machen. Privat lassen sich beide nach wie vor möglichst wenig in die Karten schauen, sei es in der schwierigen Vater-Sohn-Beziehung Falkes oder in Grosz' Umgang mit der Kollegin, die ihr eindeutige Avancen macht. (Conny Holtfoth)

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Das Erste zeigt den "Tatort: Querschläger" am Sonntag, 1. Dezember, um 20.15 Uhr.