Tiefe Blicke in Karows Seele

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Karow (Mark Waschke) auf Alleingang in der Hauptstadt.

Zuletzt starb Nina Rubin (Meret Becker) in seinen Armen. Robert Karow (Mark Waschke) verblieb in desolatem Zustand.

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Berlin. Hatte er sich doch gerade erst insgeheim eingestehen müssen, dass sie mehr war als nur eine Kollegin, mit der er hier und da zwanglosen Sex hatte. Karows neuer Solofall im „Tatort” Berlin heißt nun „Das Opfer“. Der Titel darf die Frage aufwerfen, ob Karow in diesem Film das Opfer ist – und zwar gleich mehrfach. Es ist unglücklich, dass Karow direkt in das nächste private Drama geworfen wird, dass wir als Zuschauer nicht mehr sehen dürfen, wie er den Verlust Rubins bewältigt. Und ob überhaupt. Stattdessen wird Karow mit dem Tod seines alten Schulfreundes und Romanze Maik Balthasar (Andreas Pietschmann) konfrontiert.

Maik Balthasar war verdeckter Ermittler und starb durch einen Schuss in den Kopf. Für Karow ist erst einmal klar: Milieu-Mord. Maik arbeitete für Mesut Günes (Sahin Eryilmaz), einen Clanchef und stadtbekannten Berliner Nachtclubbesitzer, der in zahlreiche Gewaltverbrechen verwickelt ist, die ihm allerdings nie eindeutig nachgewiesen werden konnten. Auf der Tatwaffe finden sich Günes‘ Fingerabdrücke. Staatsanwältin Sara Taghavi (Jasmin Tabatabai) sieht endlich ihre Chance, Günes vor Gericht zu bringen. Der bestreitet den Mord jedoch.

Obwohl Taghavi ihn anweist, sich rauszuhalten, lassen Karow die Ungereimtheiten in dem Fall keine Ruhe. Um herauszufinden, was wirklich geschehen ist, nimmt er Urlaub, zieht undercover in Maiks Wohnung und wandelt auf seinen Spuren. Camilla (Kim Riedle), die in Günes’ Club arbeitet und Maik gut kannte, wird seine Verbündete. Mehr und mehr schlüpft er in die Rolle des Toten und taucht dabei auch immer tiefer in seine eigene Vergangenheit ein.

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Erol Yesilkaya hat nicht zum ersten Mal ein Buch für den Berliner „Tatort” und für Karow geschrieben. Umso erstaunlicher ist es da jedoch, dass Rubins Tod an keiner Stelle nennenswert erwähnt wird. Das ist ein Versäumnis, dem sich dieser Film stellen muss. Der Krimi selbst ist spannend, intensiv, dramatisch, traurig – leider auch ein bisschen vorhersehbar. Regisseur Stefan Schaller aber gibt Waschke sehr viel Raum, alle Seiten Karows zu beleuchten. Die dunklen, die hellen und die, die wir bislang nicht kannten, beispielsweise Karows erste große Liebe, sein Verhältnis zu seinem Vater, aber auch das Verhältnis zu sich selbst. Das ist sehenswert umgesetzt und verleiht dem „Tatort” eine zusätzliche Brisanz. Einschalten lohnt trotz eines Endes, das nicht unerwartet kommt.

Das Erste zeigt den „Tatort: Das Opfer“ am Sonntag, 18. Dezember, um 20.15 Uhr.