"Sie lügt, er träumt"

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Schenk (Dietmar Bär) sind unterwegs in ihrem Revier.  Foto: WDR/Martin Menke

Von Conny SchneiderEin bisschen "Bonnie und Clyde", ein bisschen "Natural Born Killers", aber doch gleichzeitig ein ganz eigenes Werk - und vor allem ein sehenswertes, das...

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. Von Conny Schneider

Ein bisschen "Bonnie und Clyde", ein bisschen "Natural Born Killers", aber doch gleichzeitig ein ganz eigenes Werk - und vor allem ein sehenswertes, das Regisseur Sebastian Ko mit seinem Kölner "Tatort"-Debüt "Kartenhaus" gelungen ist.

Ein Mann wird in seiner Villa erstochen. Vom Freund seiner Stieftochter, Adrian Tarach (Rick Okon). Der junge Mann ist für die Polizei kein unbeschriebenes Blatt. Aufgewachsen im sozialen Brennpunkt. Kleinkriminelle Vergangenheit. Aber Mord?

Die Kölner Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) begeben sich auf Verfolgungsjagd. Denn Adrian ist mit seiner Freundin Laura (Ruby O. Fee) auf und davon. Und schon wenige Stunden später tötet er den nächsten Menschen.

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Warum tötet Adrian? Diese Frage steht bei "Kartenhaus" im Vordergrund. Sebastian Ko und Drehbuchautor Jürgen Werner spielen bei der Beantwortung dieser Frage mit Kontrasten, die aufeinander prallen. Dies wird schon beim überaus blutigen Beginn deutlich: Während Adrian zweimal auf den Stiefvater seiner Freundin einsticht, tanzt Laura in ihrem Zimmer zu den Klängen von "When The Rain Begins To Fall", ihre Mutter wartet derweil im Auto und hört eine Arie aus "Madame Butterfly". Ein Mord, inszeniert wie ein grausames und quälend detailreiches Kunstwerk.

Nach und nach versteht der Zuschauer die Beweggründe, die Adrian zum Morden verleiten, und erfährt, welche Rolle Laura in dem ganzen Drama spielt. "Sie lügt. Er träumt. Gefährliche Mischung." So fasst es Schenk lapidar zusammen. Als einen "Mörder mit Moral" bezeichnet ihn Ballauf. Der Mann, den der Zuschauer zu Beginn als brutalen Täter erlebte, wird zunehmend zur tragischen Figur, der aus Liebe zu seiner Freundin zu allem bereit scheint: "Ich würde sterben für dich."

Neben dem überzeugenden Spiel der beiden jungen Akteure Okon und Fee lebt dieser "Tatort" von seiner Bildästhetik. Ein Lob an Kameramann Kay Gauditz: Kleine Details wie etwa eine vom Wind verwehte Plastiktüte und ein überlaufendes Wasserglas erzielen große Wirkung. Ebenfalls gelungen: die Aufnahmen aus Vogel- und Froschperspektive inmitten der schäbigen Sozialbausiedlung.

Schöne Entwicklung im Kölner Team: Asisstent Tobias Reisser (Patrick Abozen) und Freddy Schenk nähern sich endlich einander an - was Reisser Flügel zu verleihen scheint: Am Ende wächst er über sich selbst hinaus.

Das Erste zeigt den "Tatort: Kartenhaus" am Sonntag, 28. Februar, um 20.15 Uhr.