Rasanter Politkrimi

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Typisch: Wegen einer Demo gegen Stuttgart 21 steht Thorsten Lannert (Richy Müller) im Stau.  Foto: SWR/Alexander Kluge

Von Verena NapiontekStark politisch angehaucht ist der neueste Tatort aus Stuttgart. Da versucht sich Autor und Regisseur Niki Stein an einer komplexen Betrachtung eines...

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. Von Verena Napiontek

Stark politisch angehaucht ist der neueste Tatort aus Stuttgart. Da versucht sich Autor und Regisseur Niki Stein an einer komplexen Betrachtung eines konstruierten Politskandals rund um das Thema "Stuttgart 21".

Und so ist "Der Inder" auch ein Wirtschaftskrimi mit aktuellem Bezug. Ex-Staatssekretär Jürgen Dillinger wird mit drei gezielten Schüssen beim Joggen getötet.

Noch am Vortag war er als einer der Hauptzeugen in einem Untersuchungsausschuss des Landes geladen, der sich mit der Vergabe von Landesmitteln bei dem Bauprojekt "Gleisdreieck" beschäftigt. Damit rückt der Fall in den Umkreis von "Stuttgart 21", denn auf dem Areal sollte ein ehrgeiziges Wohnprojekt entstehen.

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Bei ihren Ermittlungen stoßen die Tatort-Hauptkommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) bald auf den renommierten Architekten Busso von Mayer (sehr überzeugend: Thomas Thieme), der das visionäre Bauprojekt zusammen mit einem indischen Investor geplant hatte und dafür hohe staatliche Subventionen einstrich. Doch der Partner aus Indien entpuppte sich als Hochstapler. Das Geld war weg und von Mayer landete im Gefängnis. Der Freigänger gibt bei seiner Vernehmung durch die Kripo bereitwillig zu, dass er sich als Bauernopfer sieht und eine Menge Wut im Bauch auf die verantwortlichen Politiker angestaut hat.

Die Themenwahl dieses Tatorts ist sehr gut. Und "Der Inder" ist auch durchaus ein Politkrimi mit Tiefgang. Der Krimi prangert vor allem die korrupten Machenschaften im Rahmen von Großbauprojekten an. Was aber stört ist, dass die Geschichte um einen Bauskandal anfangs doch sehr gehetzt und etwas konfus erzählt wird.

Da fällt es mitunter schwer zu folgen. Dies ist besonders den vielen Zeitsprüngen geschuldet. Und etwas nervig ist auch die schnelle Kameraführung im Untersuchungsausschuss. Im übrigen soll "Der Inder" einer der teuersten Tatorte der letzten Jahre gewesen sein.