Lieber Schwan

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Thiel (Axel Prahl, l.) und Boerne (Jan Josef Liefers) strampeln sich ab.  Foto: WDR/Willi Weber

Von Conny SchneiderEs war einmal ein schwarzer Schwan, der auf dem Aasee im malerischen Münsterland lebte - und sein hungriges Herz an ein todschickes Tretboot...

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. Von Conny Schneider

Es war einmal ein schwarzer Schwan, der auf dem Aasee im malerischen Münsterland lebte - und sein hungriges Herz an ein todschickes Tretboot verschenkte.

Klingt gleichermaß;en nach Märchen wie nach alliterationslastigem Vorabendprogramm. Doch diesen Schwan gab es wirklich: "Petra" sorgte im Frühjahr 2006 für Schlagzeilen - nun erlangt sie noch einmal Berühmtheit. Im 28. Fall des kongenialen Duos Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Frank Thiel (Axel Prahl).

Eigentlich will Boerne verreisen. Tauchurlaub auf den Malediven. Doch ein Mord kommt ihm - gar nicht so ungelegen - in die Quere. Im Therapiezentrum "Haus Schwanensee" liegt am Grund des hauseigenen Schwimmbeckens eine Tote. Mona Lux (Jessica Honz). Ihre Identität: ein Rätsel. "Kein Mensch kennt sie", seufzt Hauptkommissar Thiel. "Keine Familie, keine Freunde, nur ein Laptop, das gesicherter ist als das Handy der Kanzlerin." (Was ja nicht schwer sei, wie Staatsanwältin Klemm (Mechthild Grossmann) anmerkt.)

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Der einzige Anhaltspunkt: Das Mordopfer ist die ehemalige Geliebte des Gastronoms Di Sarto (Roberto Guerra), gegen den wegen Steuerbetrugs ermittelt wird.

Krimi und Klamauk liegen gleichauf

In der Vergangenheit musste sich der Münsteraner Tatort häufig den Vorwurf gefallen lassen, sich zu klamaukig auf Nebenschauplätzen aufzuhalten und darüber den eigentlichen Fall aus den Augen zu verlieren. Das trifft diesmal nicht zu. Krimi und Komödie halten sich die Waage - und schließ;en einander nicht aus.

Fans des Münsteraner Tatorts können sich - wie gewohnt - auf herrlich flapsig-zynische Schlagabtausche freuen. Die Aufklärung des Mordes bleibt dabei aber dieses Mal nicht auf der Strecke - und bietet so manche überraschende Wendung.

Einziger Wermutstropfen: die allzu überspitzte und stereotype Darstellung der psychisch Erkrankten im "Haus Schwanensee". Allerdings klasse gespielt: Robert Gwisdek als autistischer Steuerfahnder Andreas Kullmann.

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Wer bei "Schwanensee" auf Ballett hofft, dem sei noch versprochen: Boerne hört in dieser Folge nicht nur Tschaikowskis dazugehörige Komposition, er bietet uns auch einen Auftritt in Strumpfhose.

Also: einschalten!