"Ich schaue nicht so oft Krimis"

aus Tatort & Polizeiruf 110

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„Tatort“ Kapelle: Rüdiger Geis bei einer Lesung aus seinem Krimi „Narrhalla-Mord“.   Archivfoto: Frahm

Rüdiger Geis ist ein Mensch, der in seiner Freizeit gerne kriminellen Gedanken nachhängt.

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. Von Nina Paeschke

Rüdiger Geis ist ein Mensch, der in seiner Freizeit gerne kriminellen Gedanken nachhängt.

Anlässlich der 1000. Folge der Reihe "Tatort", die das Erste nächsten Sonntag ausstrahlt, haben wir mit dem 54-jährigen Journalisten, Buchautor, Regisseur, Drehbuchschreiber und Vorsitzenden des Sinner Filmclubs "Athenia" über Krimis, Kino und Kreativität gesprochen.

Herr Geis, Sie haben mit "Dann wirf den ersten Stein", "Narrhalla-Mord" und "Eine Seefahrt, die ist tödlich" drei Kriminalromane vorgelegt. Fast zeitgleich haben Sie zusammen mit anderen Mitgliedern des Sinner Filmclubs das Drehbuch für den Regionalkrimi "GlüXXspiel" geschrieben. Worin liegen die Unterschiede beim Verfassen der Skripte?

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Rüdiger Geis: Ich kann natürlich nur meine Vorgehensweise beschreiben. Grundsätzlich brauche ich für einen Krimi zunächst einen Anfang (Was ist passiert?) und das Ende, die Auflösung (Wer war’s?), damit ich weiß;, wo es im Verlauf der Geschichte hingehen soll. Das "Dazwischen" füllt sich natürlich nicht von allein, aber da ist dann auch ein bisschen Fantasie gefragt, welche Personen, Ereignisse, Nebenhandlungen die Ermittler auf ihrem Weg zur Lösung begleiten. Der Unterschied zwischen Film und Roman ist der, dass im Drehbuch die Beschreibungen eher knapper ausfallen, weil sich manches ja aus dem Drehort heraus ergibt und der Zuschauer zum Beispiel die Landschaft sieht, die man im Roman möglichst interessant beschreibt. Das hat dann etwas mit journalistischem Handwerk zu tun, auch weil man viel recherchieren muss. Und: Im Film sieht der Zuschauer die Landschaft wie sie ist, im Roman kann ich sie mit Fantasie auch noch ausschmücken. Das wird dann das berühmte Kino im Kopf.

Wo und wie sammeln Sie Ideen? Bei Gerichtsverhandlungen, die Sie als Journalist besuchen? Im Fernsehen?

Geis: Offen gestanden: Ich schaue mir gar nicht so oft Krimis im Fernsehen an und lese auch nicht ständig Romane mit Mord und Totschlag. Ich möchte meine Geschichten von mir aus entwickeln und mich möglichst wenig von anderen Filmen und Romanen beeinflussen lassen. Das Schlimmste ist, wenn jemand sagt: "Ach, das und das hast Du aus dem und dem ,Tatort’." Auch wenn ich den gar nicht gesehen habe. Ansonsten heiß;t es einfach: Augen auf im Leben, Zeitung lesen, den Leuten aufs Maul und ihr Tun schauen. Und dann muss es eben "Klick" machen. Ein Fluss: Da könnte eine Leiche schwimmen. Was steckt dahinter? Das war der Anfang der "Stein"-Geschichte. Ein Karnevalist, der sich mit seiner Büttenrede in die Nesseln setzt. Könnte er jemanden so verletzt haben, dass der zum "Narrhalla-Mord" bereit ist? Oder der Betrüger, der seinen Tod vortäuscht, um die ergaunerten Millionen zu genieß;en wie in der "Seefahrt". Gelingt ihm das? Auf solche Fragen suche ich dann möglichst interessante und spannende Antworten.

Muss es im Krimi eigentlich immer Mord sein?

Geis: Grundsätzlich nein. Aber als Zuschauer oder Leser will man sich ja auch ein bisschen gruseln. Und da ist die Verfolgung eines Hühnerdiebes oder Reifenstechers natürlich nicht so spannend wie eine Leiche. Es ist ja auch nicht immer Mord im Krimi. Oft stellt sich das Ganze als Totschlag, gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge oder gar Notwehr heraus. Ich selbst habe mal vor vielen Jahren einen Mordprozess begleitet, der mit Freispruch für den Angeklagten endete, weil das Gericht eine Notwehrsituation erkannte. In meinem "Stein"-Roman beispielsweise geht es ja letztlich auch nicht um Mord, sondern um ein viele Jahre zurückliegendes Gewaltverbrechen. Ich fand es interessant, die junge Heldin dabei zu begleiten, wie sie mit Zähigkeit schließ;lich das Geheimnis in ihrer Familie aufklärt.

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Mit dem Filmclub haben Sie bereits Spielfilme produziert, die ganz unterschiedliche Genres bedient haben, zum Beispiel Western, Road-Movie oder Fantasy-Parodie. Erfordert ein Krimi beim Drehen besonderen Einsatz?

Geis: Nein, eigentlich nicht. Es ist immer eine wahnsinnige Arbeit, Drehtage vorzubereiten. Umso mehr, wenn es sich um Kostümfilme handelt. Und – egal, welches Genre – wir haben bisher immer sehr viel Spaß; gehabt. Beim Krimi muss man sicher erheblich mehr auf den logischen Ablauf achten, damit sich keine Widersprüche in den Aktionen oder im Zeitablauf ergeben und die Auflösung nachher klar verständlich ’rüberkommt. Bei einem Western muss ich im Blick haben, dass keine Strommasten oder Steckdosen irgendwo im Bild auftauchen. Das gelingt leider nicht immer.

Hat der Filmclub sich für seine Filme schon vom "Tatort" inspirieren lassen?

Geis: Wir hatten ursprünglich mal an einen Untertitel "Tatort Sinn" gedacht, dies aber wegen möglicher urheberrechtlicher Probleme gelassen. Sicher fließ;t das eine oder andere aus Krimis wie "Tatort" auch unbewusst ein oder ist eine Hommage. Darsteller Jörg-Michael Simmer hatte zum Beispiel bei der Gestaltung seines Rechtsmediziniers in "GlüXXspiel" freie Hand. Und der erinnerte natürlich ein bisschen an Professor Börne aus Münster. Aber ansonsten stehen wir auf eigenen Füß;en. Das wird sicher auch der neue Krimi "Todgeweiht" zeigen.

Wann?

Geis: Ich hoffe 2018 im Dillenburger "Gloria"-Kino.