Groteske Visionen

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Das Erkennungsprogramm scannt alle, ob Mitarbeiter oder Besucher – auch seinen Entwickler David Bogmann (Ken Duken).  Foto: SWR

Von Conny SchneiderStanley Kubrick und Aldous Huxley lassen grüßen im neuen Stuttgarter Tatort "HAL": Software-Spezialist David Bogmann (Ken Duken) entwickelt für die Firma...

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. Von Conny Schneider

Stanley Kubrick und Aldous Huxley lassen grüß;en im neuen Stuttgarter Tatort "HAL": Software-Spezialist David Bogmann (Ken Duken) entwickelt für die Firma Blue Sky ein neues Programm, das in die Zukunft blickt. Bedeutet: Es hackt fremde Computer, wertet die Server-Daten aus, ohne Spuren zu hinterlassen, und kann Prognosen abgeben zu möglichen Gewalttaten. Doch die Software gerät zunehmend auß;er Kontrolle. Bogmann befindet sich im Kampf gegen die Geister, die er rief, und wird dann auch noch zum Tatverdächtigen in einem Mordfall: Im Neckar treibt die Leiche der Schauspielschülerin Elena, die für einen Escortservice und für Blue Sky gearbeitet hatte.

"Das ist gespenstisch." Dieser Satz trifft das von Autor und Regisseur Niki Stein geschaffene Szenario sehr gut: eine computergesteuerte Welt aus künstlicher Intelligenz, totaler Kontrolle und ständiger Überwachung. "Wenn wir diese zweite Welt nicht betreten, werden wir den Fall nicht aufklären", warnt Hauptkommissar Thorsten Lannert (Richy Müller), der sich mit seinem Kollegen Sebastian Bootz (Felix Klare) auf virtuelle Odyssee begibt.

Apropos Odyssee: Fans von "2001 – Odyssee im Weltraum" werden immer wieder Anspielungen auf Kubricks Science-Fiction-Klassiker entdecken – wie der Titel bereits verrät. Doch nicht nur das: Die ebenfalls an Kubrick angelehnten Zwischentitel verweisen auf Romane von Franz Kafka, die gesamte Thematik erinnert stark an Sebastian Fitzeks jüngsten Thriller "Das Joshua-Profil". Insgesamt wirkt der Film durch zu viele intermediale Verweise schlichtweg überfrachtet. Die beängstigende Handlung driftet zum Ende hin ins Absurd-Groteske ab. Schade.