Faber bleibt hier

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) sitzt mit seinem Kaktus am Grab von Martina Bönisch.

Er ist hiergeblieben. Das musste Peter Faber (Jörg Hartmann) ihr versprechen.

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Dortmund. Martina Bönischs (Anna Schudt) letzte Worte („Du bleibst hier“) vor ihrem Tod waren eine Warnung, eine Drohung, eine letzte Bitte an den Kollegen und Mann, mit dem sie kurz zuvor eine Nacht zusammen verbracht hat. Dann starb sie. Bönischs Worte hallen in Faber nach. Hat er doch schon einmal eine Frau (und ein Kind) verloren. Wie sollte er am Tod der Frau, die er nach diesem schweren Verlust der Familie lieben gelernt hat, nicht verzweifeln? Folgerichtig heißt der erste Tatort nach Bönischs Tod „Du bleibst hier“. Wir sehen einen gebrochenen, müden Faber, der nicht mehr weiß, wofür es sich noch zu leben lohnt. Er hat sich in seinen Wagen zurückgezogen, dort haust er, dort grübelt er wieder und wieder über Bönischs Worte und sucht das Leben, einen Weg zurück.

Ausgerechnet jetzt wird Faber mit seinem Vater konfrontiert – von dem er Jahrzehnte nichts wissen und hören wollte. Fabers Kollegen Jan Pawlak (Rick Okon) und Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) arbeiten derweil an einem Fall: Im Westpark Dortmund gibt es eine Blutlache, aber keine Leiche. Schnell ist klar, wer vermisst wird: Andreas Richter, Chef einer Dortmunder Immobilienfirma, der sich mit seinem Geschäftsmodell mehr Feinde als Freunde gemacht hat. Im Zuge ihrer Ermittlungen stoßen Jan und Rosa schließlich auf Fabers Vater Josef. Anlass genug für Rosa, den krankgeschriebenen Faber endlich aus seiner Trauer zu reißen. Es folgt eine schmerzhafte Reise zurück in die Kindheit Fabers, die nicht nur ihn, sondern auch den Zuschauer mit neuen Erkenntnissen überrascht.

Jörg Hartmann hat am Buch selbst mitgeschrieben – Co-Autor ist Jürgen Werner, der für die Entwicklung der Figuren ohnehin verantwortlich zeichnet. Die Idee, Faber durch seinen Vater Josef von einer anderen Seite zu zeigen, ihn über diesen Kontakt wieder zum Leben zu erwecken, ist gut. Schade ist nur, dass man genau mit dieser Handlung (respektive ähnlich) gerade erst den Berliner Tatort erzählt hat, in dem Karow nach Rubins Tod nun auch den Tod einer Jugendliebe verkraften musste. Schade ist, dass man eben jene Handlung im Ansatz auch im Frankfurter Polizeiruf erzählt hat, um Raczeks letzten Fall und sein Ausscheiden glaubwürdig zu machen. Das macht Fabers Fall nicht mehr einzigartig, den Film aber nicht minder schlecht. Ganz im Gegenteil: Was Hartmann einmal mehr als Faber abliefert, ist großes Kino. Es ist ein Faber-Solo, es ist von Regisseur Richard Huber eindrucksvoll umgesetzt. Vieles bleibt im Dunkeln, angedeutet, unscharf. Genau das ist es, was wir von Faber bisher kannten. Und genau so viel bekommen wir zu sehen. Dabei rückt der Mordfall fast in den Hintergrund, aber auch das schadet „Du bleibst hier“ nicht.

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Wer mit Schudts Aussteigen immer noch hadert, dem sei gesagt: Ja, Bönisch fehlt. Bönisch wird weiterhin fehlen. Umso schöner ist es, dass sie hier noch einmal kurz zu sehen ist.

Das Erste zeigt den „Tatort: Du bleibst hier“ am Sonntag, 15. Januar, um 20.15 Uhr.