Durchhalten lohnt sich

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Keine Zeit für ein Nickerchen: Tobler (Eva Löbau) und Weber (Carlo Ljubek) sind erschöpft. Foto: SWR/Benoit Linder

Das Schwarzwälder Ermittlerteam, das nun zum dritten Mal zum Einsatz kommt, wirkte in den ersten beiden Filmen ein wenig bräsig. Irgendwie entrückt. Nicht unsympathisch, dazu...

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. Im dritten Fall „Damian“ ist Hans-Jochen Wagner als Kommissar Friedemann Berg gar nicht erst dabei. Der Schauspieler hatte sich eine Virus-Infektion eingefangen. Für ihn springt Carlo Ljubek ein. Wagners Abwesenheit wird mehrere Male thematisiert, denn Kommissar Berg hat sich offenbar im Urlaub ein Bein gebrochen. Ljubek füllt die Lücke perfekt aus. Eva Löbau (als Kommissarin Franziska Tobler) und er harmonieren wunderbar miteinander.

Der Fall beginnt sozusagen mittendrin. Der Zuschauer steigt ein, während Tobler und Luka Weber (Ljubek) schon eine ganze Weile versuchen, den Mordfall an einer 17-Jährigen und ihrem Tennislehrer aufzuklären. Hinzu kommt eine abgebrannte Hütte am Waldrand, in der eine weitere Leiche gefunden wird. Die beiden Kommissare sind nicht nur überarbeitet, sondern offenbar auch schon an der Grenze der Belastbarkeit angekommen. Dieser Zustand wird mehrere Male lustig kommentiert, das wiederum ist an der Grenze zum Klamauk – leider. Denn der Fall hat es in sich, als Damian (ein großartiges Debüt von Thomas Prenn) seinen Auftritt hat. Der Jura-Student steht unter extremem Prüfungsddruck, leidet offenbar auch an Halluzinationen und Wahnvorstellungen.

Hier verschiebt sich nun ein wenig die Betrachter-Ebene. Der Zuschauer wird plötzlich Teil von Damians Kopf, folgt ihm und seinen verworrenen Wegen und zweifelt mit zunehmender Spieldauer am eigenen Verstand. Dabei ist den Autoren Lars Hubrich und Stefan Schaller ein wahrer Geniestreich gelungen. Schaller hat das Buch inszeniert, nicht minder eindrücklich. Es wäre Frevel, an dieser Stelle noch mehr über den Inhalt zu verraten. Ein wichtiger Hinweis ist jedoch: Bleiben Sie unbedingt bis zum Ende dabei!

Dieser Krimi ist nicht übermäßig spannend, er wird Sie vermutlich nicht von den Sitzen hauen, Sie werden sich zwischendurch fragen, ob Sie wirklich zu Ende schauen sollen. Tun Sie es! Sie werden es nicht bereuen und ein paar Sekunden lang an Ihrer Wahrnehmungsfähigkeit zweifeln. (Kirsten Ohlwein)

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Das Erste zeigt den "Tatort: Damian" am Sonntag, 23. Dezember, um 20.15 Uhr.