Auch im Polit-Labyrinth bleibt der Humor trocken

aus Tatort & Polizeiruf 110

Thema folgen
Fellner (Adele Neuhauser) und Eisner (Harald Krassnitzer) lassen nicht locker. Foto: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican

Sie liefern wie üblich auf gewohnt hohem Niveau ab, die Wiener Kommissare Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer).

Anzeige

. Was einzig und allein nicht passt, dass der neue "Tatort: Glück allein" speziell zum Ende hin ein wenig zu konstruiert, zu gewollt wirkt. Wieder einmal ist das Innenministerium beteiligt, wieder einmal geht es um wichtige Menschen, die Ermittlungen behindern wollen. Im Haus des Politikers Raoul Ladurner (Cornelius Obonya) hat sich ein Blutbad ereignet. Ladurners Frau ist tot, die Tochter liegt schwerverletzt im künstlichen Koma.

Eisner und Fellner sollen eigentlich nicht ermitteln, tun es aber trotzdem. Aufklären soll den Fall eigentlich Kommissarin Julia Soraperra (Gerti Drassl), die eigens vom Ministerium geschickt wird – aber Ladurner nähersteht, als Eisner und Fellner zu Beginn ahnen können. Was dann folgt, sind ein paar Handlungsstränge, Verwicklungen und Fallstricke zu viel, was den Mord fast als Randnotiz erscheinen lässt. Allerdings: Obonya in der Rolle des undurchschaubaren Politikers und Drassl als noch zwielichtigere Kommissarin sind so grandios besetzt, dass das Übererzählte der Geschichte ein bisschen verblasst. Immerhin!

Und ja, wie gewöhnlich werden wir auch diesmal 90 Minuten lang mit dem altbekannten Wiener Humor verwöhnt. Als Fellner beispielsweise eine Suchmaschine anwirft, um zur ukrainischen Geschichte zu recherchieren, kommentiert sie selbst spöttisch: "Profis bei der Arbeit." Sie sind wie immer herrlich trocken, herrlich komisch und im Gespann von fast keinem anderen "Tatort"-Team zu toppen.

Auch wenn die Geschichte gerade am Ende fast nicht mehr nachvollziehbar ist, die Kommissare sind es bei jedem Wort, das sie sprechen, und bei jeder Geste, die sie miteinander teilen. (Kirsten Ohlwein)

Anzeige

Das Erste zeigt den "Tatort: Glück allein" am Sonntag, 2. Juni, um 20.15 Uhr.