Alt, verarmt, verzweifelt

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Der pensionierte Polizist Sommer (Branko Samarovski, links), Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) am Grab von Bibis Vater.   Foto: Mican/ARD Degeto/ORF

VON OLIVIA HEßMit dem zehnten gemeinsamen Fall von Moritz Eisner und Bibi Fellner endet am Sonntag die Sommerpause des "Tatorts". Dieses Mal müssen die beiden...

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. VON OLIVIA HEß

Mit dem zehnten gemeinsamen Fall von Moritz Eisner und Bibi Fellner endet am Sonntag die Sommerpause des "Tatorts". Dieses Mal müssen die beiden österreichischen TV-Kommissare in eigener Sache ermitteln.

Bibi Fellners Vater liegt in einem Altersheim in der Steiermark im Sterben. Obwohl sie seit ihrer Jugend keinen Kontakt mehr zu ihrem alkoholabhängigen und gewalttätigen Vater hatte, stattet Fellner ihm einen letzten Besuch ab und erlebt eine faustdicke Überraschung. Im Nachlass des mittellosen Mannes findet sie 30 000 Euro. Woher hatte er das Geld?

Das Altersheim erinnert eher an ein Armenhaus oder eine Aufbewahrungsanstalt, so trostlos und heruntergekommen ist es. Die Bewohner sind allesamt arm, bringen jedoch jeden Donnerstag Geld zur Bank - just einen Tag nach der wöchentlichen Fahrt in das benachbarte Ungarn. Um mehr über die geheimnisvollen Fahrten herauszufinden, schleusen Fellner (Adele Neuhauser) und Eisner (Harald Krassnitzer) den pensionierten Kollegen Sommer (Branko Samarovski) als Undercover-Agenten ein. Das Trio stößt schnell auf ein Geflecht aus Drogenschmuggel, Drohungen und Gewalt.

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Die neue "Tatort"-Folge heißt zwar "Paradies", doch davon sind die Protagonisten weit entfernt. Die verzweifelten Altersheimbewohner wollen nur eines: raus aus der Hölle - und das lebend. Und Bibi Fellner sieht sich plötzlich mit den Schatten ihrer Vergangenheit konfrontiert. Nach starken ersten 20 Minuten wird Fellners Auseinandersetzung mit ihrer verkorksten Kindheit nur noch wenig Platz eingeräumt. Schade, denn gerade in diesen ruhigen Momenten der Trauer und Verzweiflung ist Neuhausers Spiel besonders stark.

Auch wenn "Paradies" (Buch: Uli Brée, Regie: Harald Sicheritz) nicht zu den herausragenden Wiener "Tatorten" gehört, ist die Folge dennoch sehenswert. Trotz des berührenden Themas Altersarmut spielt dieser Krimi mit Komik und Ironie. Die Handlung ist zuweilen vorhersehbar, aber die bösartigen, teils schmierigen Charaktere und die schauspielerische Leistung des Ensembles lässt dies schnell vergessen. Peter Weck feiert als verarmter Ex-Millionär sein TV-Comeback. Michael Ostrowski überzeugt als drogenabhängiger Krankenpfleger. Und Branko Samarovski als Undercover-Agent sowie Simon Schwarz als Inkasso-Heinzi müssen sich ebenfalls nicht verstecken.