Darmstädter Waldkunstpfad führt vorbei an 14 Werken

Das hölzerne „U-Boot“ kehrt zurück. Eine Spendenaktion macht es möglich, dass Roger Rigorth sein Werk im Waldkunstzentrum noch einmal gestalten kann, das von 2004 bis 2018 an der Alten Bogenschneise stand. Foto: Guido Schiek

15 Künstler sind beteiligt am zehnten Darmstädter Waldkunstpfad unter dem Motto „Kunst/Natur/Identität“. Eröffnung ist am 15. August auf dem Gelände hinter dem Böllenfalltor.

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DARMSTADT. Ute Ritschel ist in den zurückliegenden Wochen nach und nach mehr als ein Stein vom Herzen gefallen, wie die Kuratorin auch des kommenden, nun zehnten Internationalen Waldkunstpfads gestern bei der Programmvorstellung im Darmstädter Waldkunstzentrum (IWZ) freimütig bekannte. Denn natürlich hat Corona auch diese Waldkunst-Biennale unter dem Motto „Kunst/Natur/Identität“ empfindlich getroffen: Alles stand auf der Kippe. Wenn sich das Projekt vom 15. August bis 4. Oktober nun doch stemmen lässt, liegt das einerseits am Einsatz aller Beteiligten, egal ob Künstler oder Organisatoren. Andererseits fand man großzügige finanzielle Unterstützung, beispielsweise von der Kulturstiftung Frankfurt/Rhein-Main, der Stadt Darmstadt, der Sparkasse Darmstadt, dem Kultursommer Südhessen, dem Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald oder der Merckschen Gesellschaft.

Das hölzerne „U-Boot“ kehrt zurück. Eine Spendenaktion macht es möglich, dass Roger Rigorth sein Werk im Waldkunstzentrum noch einmal gestalten kann, das von 2004 bis 2018 an der Alten Bogenschneise stand. Foto: Guido Schiek
Sehriban Köksal Kurt im Waldkunstzentrum mit Modellen ihrer Arbeit „Geborgen“, die Metall und Blattmotive auf Stoff verbindet. Foto: Guido Schiek

Rundweg führt über ungewohntes Terrain

Insgesamt 2,6 Kilometer lang wird der Rundweg des Waldkunstpfads im Forstrevier hinter dem Darmstädter Böllenfalltor – und er führt über ungewohntes Terrain: Weil die Ludwigshöhe wegen Baumaßnahmen als Ausstellungsfläche nicht zur Verfügung steht, läuft der Kunstweg erstmals darunter entlang. Gezeigt werden 14 Arbeiten von 15 Installations-Künstlern, die bereits von der kommenden Woche an im IWZ zu Gast sind und im Wald ihre Werke aufbauen.

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Mit dabei sind die Deutschen Barbara Beisinghoff, Regina Frank, Sehriban Köksal Kurt, Jens J. Meyer, Waltraud Munz-Heiliger, Roger Rigorth, Florian Huber und Sebastian Weissgerber sowie Susanne Resch; dazu kommen Fredie Beckmans (Niederlande), Rumen Dimitrov (Bulgarien), Jems KokoBi (Elfenbeinküste), Makiko Nishikaze (Japan/Deutschland) und Joachim Silue (Elfenbeinküste/Italien). Das sind weniger internationale Künstler, als für das Waldkunst-Jubiläum ursprünglich geplant waren. Doch setzen hier nicht nur aktuelle Einreisesperren Grenzen, sondern auch der immer noch eng gestrickte Etat des IWZ.

Man musste Spendenprojekte wie den Waldkunstflohmarkt Corona-bedingt absagen, und wird beispielsweise auch bei Waldkunst-Führungen wegen kleinerer Gruppengrößen weniger Geld einnehmen. Doch es gibt nicht nur Verluste im Vergleich zu früheren Jahren, sondern auch zwei neue Kooperationen, verbunden mit neuen Ausstellungsorten. So sind im Unesco-Welterbe Grube Messel ab 13. September unter dem Titel „Kunst/Wald/Fossil“ Kunstwerke von Beisinghoff, Munz-Heiliger und Rigorth zu erleben. Und Regina Frank ist ab 26. Juli Artist-in Residence des Darmstädter Vereins „Kultur einer Großstadt“: Im Künstlerhaus „LEW 1“ auf der Rosenhöhe will sie eine digitale Komponente ihrer Waldkunst-Installation entwickeln.

Die Waldkunst-Vernissage findet dieses Mal auf dem Platz vor Anne Berlitts Werk „Luftschloss“ statt. Dort steht auch der Kinderbauwagen: Mit seinen sonntäglichen Kreativworkshops für Familien dürfte er genauso zu einer Attraktion werden wie die Kindertheater-Aufführungen, für die das Darmstädter Theater Lakritz bereits probt. Erwachsene können im Begleitprogramm unter anderem Klangprojekte und Performances erleben, dazu besteht am 29. Juli sowie 5. und 12. August die Gelegenheit, die Waldkunst-Künstler bei Mittwochsforen um 20 Uhr im IWZ kennenzulernen. Die eintägige Konferenz zur Schau kann wegen der Seuche zwar diesmal nicht im Stiftungszentrum der Schader-Stiftung stattfinden, ein Ort für Vorträge über die Projekte ließ sich trotzdem finden: Referiert wird am 14. August in den großen Zelten im Garten des IWZ.

Waldkunst zur Corona-Zeit: Das steht für Lebensfreude, auch bei den Künstlern. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch stellten Roger Rigorth, Waltraud Munz-Heiliger, Sehriban Köksal Kurt sowie Florian Huber und Sebastian Weissgerber ihre Projekte kurz vor. Ein großes Wiedersehen gab es dabei mit Rigorths „U-Boot“. Dank vieler Spenden hat er seine große Holzplastik, die 2018 aus Sicherheitsgründen abgebaut werden musste, jetzt noch einmal bauen können.

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Waltraud Munz hat im Rahmen des „BankART“-Projekts des Geoparks Bergstraße-Odenwald hölzerne Sitzobjekte entworfen: seriell-schwingend wie die Ölschieferlagen des Unesco-Weltnaturerbes für die Schau in Messel, wie Waldblätter in der Form wie in der Struktur für den Waldkunstpfad. Köksal Kurts Annäherung ans Blatt wirkt verspielter, wenn sie die auf Stoff gebannte Naturform wie in einem Spiegel in ein metallenes Rund einbindet. Florian Huber und Sebastian Weissgerber schließlich schaffen ein „Arthropozän“. Ihre „Lutetiana neli“ ist ein zwei Meter hohes Zelt auf hohen Beinen, das an das gleichnamige Spinnenfossil aus der Grube Messel erinnert – und daran, dass eine solche „Natur“ dem Menschen Schutz bietet, aber auch Furcht erregen kann.

Von Annette Krämer-Alig