Wosene kann es nicht ruhig angehen lassen

Los geht‘s: Oberbürgermeister Patrick Burghardt schickte rund 100 Hessentagsläuferinnen und -läufer am frühen Sonntagmorgen im Stadion auf die beiden Strecken...  Foto:

Nach vier Tagen im Krankenhaus mal eben zehn Kilometer in 31:21 Minuten laufen. Das kann Demeke Wosene (LG Rüsselsheim), dem am Sonntag wahrlich nicht anzumerken war, dass es...

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RÜSSELSHEIM. Nach vier Tagen im Krankenhaus mal eben zehn Kilometer in 31:21 Minuten laufen. Das kann Demeke Wosene (LG Rüsselsheim), dem am Sonntag wahrlich nicht anzumerken war, dass es ihm seit dem Mainz-Marathon gar nicht gut ging. Magen-Darm-Probleme setzten den Äthiopier lange außer Gefecht, so dass der Hessentagslauf die erste Bewegungseinheit seit zehn Tagen war. Er sollte es ruhig angehen lassen, aber das fällt einem Mann wie ihm nunmal schwer. Natürlich kann er noch schneller, trotzdem war er mit dieser Zeit allein auf weiter Flur auf der Strecke, die am frühen Morgen erst vorbei an noch geschlossenen Hessentagszelten und dann über die vom Mainuferlauf bekannten Wege Richtung Raunheim führte.

Ihm am nächsten kam Temam Seid Beyan aus Rödelheim, der mit Wosene nicht nur die Leidenschaft, sondern auch das Schicksal teilt. Beide liefen einst für den gleichen Sportclub in Addis Abeba, beide hoffen nun auf eine Anerkennung als politische Flüchtlinge und auf ein Bleiberecht in Deutschland. „Es wird wohl noch so ein Jahr bis zur Entscheidung dauern“, erklärt Markus Bankmann, der sich um den starken LG-Läufer kümmert und so gut wie möglich versucht, ihm auch Trainer zu sein. Die nächsten Einsätze sind nach Angaben von Wosene der Stadtlauf am Mittwoch in Darmstadt und der Firmenlauf einen Tag später in Groß-Gerau, die beide über fünf Kilometer führen. Am Wochenende folgt ein Halbmarathon in Trier.

Trotz der krankheitsbedingten Schwächung war Wosene selbst für den besten Fünf-Kilometer-Läufer zu schnell. „Ich dachte am Anfang, ich könnte sein Tempo mitgehen, aber er hat ja einen Drei-Minuten-Split auf den Kilometer vorgelegt“, zollte Sebastian Bienert (LG BSN) Respekt und war mit seiner Zeit nicht ganz zufrieden. Nach einer Elf-Stunden-Pflicht als Altenpfleger, die erst zwei Stunden vor dem Start in Rüsselsheim endete, sind 17:09 Minuten aber aller Ehren wert für den Sulzbacher, der zuvor schon regelmäßig aus dem Taunus zum Hessentag geradelt war.

Die Veranstalter hätten sich freilich mehr als die rund 100 Teilnehmer gewünscht, Bedingungen und Organisation hätten es allemal verdient gehabt. Und die Stimmung hätte ohnehin auf ein Mehrfaches an Läufern schließen lassen. Mit dem Einlauf von Sigrid Beck als Höhepunkt. Nach 1:21:32 sorgte die fast 80-Jährige für den Abschluss des Hauptlaufs und wurde auf ihrer Stadionrunde von Mitläufern und Zuschauern ebenso angefeuert wie von den Jugendlichen, die schon für ihren Start bereit standen. „Für mich war das schwierigste, pünktlich hier zu sein, da der Shuttle vom Parplatz erst um 9 Uhr und die Fähre von Flörsheim erst ab 8.55 Uhr begannen“, erklärte die Seniorin aus Liedersbach, die in ihrer Laufkarriere schon 59 Marathons absolviert hat. Schließlich entschied sie sich für eine Anreise per Bahn.

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Lauf als persönlicher Hessentags-Fünfkampf

Etwas leichter hatte es da Ralf Murken, der den Lauf nutzte als Teil seines persönlichen Hessentags-Fünfkampfs: „Kommunikation, Trinken, Tanzen und eine vierte Disziplin, die ich irgendwie vergessen habe“, flachste der von „Hammer am Strand“ bekannte Jonglage-Spezialist, der in 23:16 Minuten hinter Vereinskollege Getu Tadesse Mekuri (22:34) immerhin Dritter des Fünf-Kilometer-Laufes wurde und sich zudem als einer von 45 Helfern der LG Rüsselsheim vor dem Lauf als Kuchenbäcker und danach als Bierbänkeabbauer einbrachte.

Zweitbester Läufer aus dem Kreis Groß-Gerau war Markus Engel aus Bischofsheim in 44:15 Minuten (2. M40), gefolgt von Jörg Huck aus Rüsselsheim (45:24/2. M50), der wiederum zwischen den Flörsheimern Jürgen Hamann (45:03) und Klaus Wagner (45:37) ins Ziel lief, die die Altersklassen M60 und M75 gewannen. Die schnellsten Frauen hießen Elke Frank vom TSV Niederkleen (W50) in 46:59 Minuten über zehn und Sina Berger (SKG Stockstadt) in 20:05 Minuten über fünf Kilometer.

Mächtig Stimmung kam auch auf, als der Nachwuchs in drei Läufen 800 Meter auf der Stadtionrunde absolvierte. Am schnellsten gelang dies Christoph Schlegel als U14-Sieger in 2:50 Minuten. Bogdan Prokhorov (U 10/3:13), Sebastian Reimann (U 12/2:56), Sofia Becker (U 12/3:07), Hanna Terks (U 16/3:18) holten weitere Altersklassensiege für die LG Rüsselsheim, für die Altmeister Uwe Bernd bilanzierte: „Es war eine tolle Veranstaltung. Wer nicht da war, hat was verpasst.“

Alle Ergebnisse im Internet unter www.lc-ruesselsheim.de.