Verbände für Kopf und Arm

Jeder im Klassenzimmer trug mindestens einen Verband. Einige der Kinder mussten sich frisch verletzt haben, denn ihre Verbände wurden vom Tischnachbar gerade frisch angelegt....

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GEINSHEIM. Jeder im Klassenzimmer trug mindestens einen Verband. Einige der Kinder mussten sich frisch verletzt haben, denn ihre Verbände wurden vom Tischnachbar gerade frisch angelegt. Bei anderen waren die Verbände wahrscheinlich schon älter, denn es zeigten sich blutig-rote Flecken darauf. Manche humpelten, andere jammerten und verzogen die Gesichter schmerzvoll. Was war passiert? Die Kinder einer Klasse der Grundschule Geinsheim waren nicht etwa die Opfer eines Unglücks geworden, sondern übten das Anlegen von Verbänden an Kopf, Arm, Hand oder Bein. Damit das möglichst echt wirkte, wurden viele Verbände mit roten Stiften „blutig“ gemalt. Seit einigen Wochen kommt Feride Eroglu vom DRK in Groß-Gerau jeden Morgen in die Schule, um mit jeweils einer Klasse die Erste Hilfe zu üben. „Das macht mir total viel Spaß, und es ist eine super Abwechslung zu den Erste-Hilfe-Kursen für Erwachsene, die ich sonst halte“ erklärt die junge Frau, die gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Angestoßen wurde die Aktion vom Förderverein der Grundschule, sodass jetzt jeder Schüler und jede Schülerin der Grundschule Geinsheim kompetent einen Notruf absetzen kann – und vielleicht sogar schon mehr.

Ihren Unterricht passt Eroglu immer an die jeweilige Klasse an. „Wenn die Klasse eher ruhig ist, gibt es mehr Aktionen.“ Lebhaftere Klassen erlernen dann das jeweilige Thema entsprechend des gezeigten Temperamentes. So erlernen die Schüler des ersten Schuljahrs spielerisch, wie man Gefahren aus dem Weg gehen kann, damit Unfälle gar nicht erst passieren. Sie und ihre Mitschüler aus dem zweiten Schuljahr machten auch das sogenannte „Giftequiz“. Am Ende setzten sie einen Notruf ab, jedes Kind bastelte sich einen Rettungswagen und alle übten das Anlegen von Verbänden.

Im dritten und vierten Schuljahr kam das Erlernen der stabilen Seitenlage dazu. Zusätzlich wurde die Rettungskette erarbeitet, ein Rettungswagen gebastelt und sich Verbände angelegt. Diese konnten an Kopf, Armen, Händen oder Knien sein. Als Höhepunkt stellten die Schüler am Ende der 150 Minuten dauernden Veranstaltung ihren Verband vor, und wer ihn so kunstvoll angelegt hat.

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„Ich hätte nicht gedacht, wie viel die Kinder schon wissen“, erzählt Eroglu. Manchmal erzählen sie auch, dass sie das Erlernte schon mal anwenden mussten, als sich die Mama den Arm gebrochen hat oder der Opa einen Herzinfarkt hatte. Bei solchen Geschichten beschleicht viele Erwachsene ein beklommenes Gefühl, aber sie zeigen wie wichtig diese zweieinhalb Stunden Erste-Hilfe-Unterricht sind. Außerdem zeigen sie, dass Kinder viel mehr können, als viele Erwachsene sich denken. Das merkt man auch im Unterricht: Die Verbände sitzen sehr gut, Eroglu zeigte sich mit den Notrufen zufrieden und die Kinder, die ihren Unterricht durchlaufen haben, wissen was im Notfall zu tun ist.