Unverträgliche Wahrheiten: Ausstellung „Das Alter in der...

Im Alter ist nichts mehr, wie es war. In den in der VHS Mainz ausgestellten Karikaturen werden Themen wie Pflege, Krankheit, Sex und Erinnerungen auf den Punkt gebracht.Foto: hbz/Kristina Schäfer  Foto: hbz/Kristina Schäfer

Die 60 ist die neue 40, hört man zuweilen, wenn es um die Altersdiskussion geht. Altern tut nicht weh und macht auch nicht dick, wobei Letzteres nicht stimmt, denn ab 40 muss...

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MAINZ. Die 60 ist die neue 40, hört man zuweilen, wenn es um die Altersdiskussion geht. Altern tut nicht weh und macht auch nicht dick, wobei Letzteres nicht stimmt, denn ab 40 muss Frau aufpassen, der Muskel schwindet, der Bauch wächst. Und Mann? Mann wird nicht älter, nur schöner. In der Ausstellung „Das Alter in der Karikatur“, die zur Zeit in Haus A und B der Mainzer Volkshochschule gezeigt wird, wird man bei jedem Bild ein Stück älter.

Ausnahmekarikaturisten wie Gerhard Haderer, Franziska Becker, Gerhard Glück, Marie Marcks, Hans Traxler, Greser & Lenz – um nur einige zu nennen, haben ihre Sicht auf das Alter zu Papier gebracht. Da wird ein Spiegel hochgehalten, in den man gar nicht so gerne schaut, eine Wahrheit ins Gesicht geschleudert, die nicht gut verträglich ist.

Die Humorexpertin Dr. Franziska Polanski hat an der Universität Heidelberg ein Forschungsprojekt über Altersbilder in Karikaturen gemacht und ist nun Kuratorin der durch Deutschland ziehenden Ausstellung. Es ist das Wesen der Karikatur, unseren gelebten Alltag in wenigen Strichen auf den Punkt zu bringen. Dass das nicht immer gelingt, auch dafür gibt es Beispiele in der Ausstellung. Wenn der Barmixer fragt: „Geschüttelt oder gerührt“ und der alte Herr am Tresen sagt: „Gerührt, fürs Schütteln brauch ich niemanden“, denn er ist, wie über dem Tresen zu lesen, in der „Parkinson Bar“ (Michael Holtschulte).

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Der organisierte Umgang mit dem hohen Alter bringt die Karikaturisten auf den Plan, der innere Widerstand muss auf das Blatt. „Eindeutig scharf ist die Kritik am schönen Schein neu errichteter Parkresidenzen“, schreibt Franziska Polanski im Einführungstext zum Ausstellungskatalog. Barbara Henniger hat in ihrer Karikatur eine Pflegeanleitung, wie wir sie aus unserer Kleidung kennen, an das Bett eines Alten geheftet, bis auf den Waschmaschinengang ist alles erlaubt. Das Kreuz über dem Bett gibt die Absolution. „Sie werden sich wohlfühlen bei uns!“

Der Zivi der Zukunft ist ein Roboter, der via Joystick die Körperhygiene übernimmt, in Japan ist das schon Realität. Natürlich spielt Sex im Alter eine Rolle, natürlich auch Viagra und Erinnerungen. Das neue Bild des Alters hat Gerhard Haderer am Beispiel Pipi Langstrumpf karikiert. Eine alte Frau im „Botox-Boom“. Bis auf die Zöpfe und die großen Schneidezähne ist nichts mehr so, wie es war. „Sie haben ihr Ziel erreicht,“ sagt das Navigationsgerät, das am Rollator befestigt ist, als die alte Dame den Friedhof betritt.