Thomas Frings war 30 Jahre Pfarrer, hat seine kirchlichen...

Thomas Frings hat seine kirchlichen Ämter niedergelegt und dazu ein Buch geschrieben, das für Wirbel sorgt.Foto: Stefan Sättele  Foto: Stefan Sättele

Eine der vielen, auch heftigen Reaktionen ist für Thomas Frings ein Klassiker. Als er nach 30 Jahren seinen Dienst als Pfarrer quittierte und aus seinen Gründen dafür keinen...

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WIESBADEN. Eine der vielen, auch heftigen Reaktionen ist für Thomas Frings ein Klassiker. Als er nach 30 Jahren seinen Dienst als Pfarrer quittierte und aus seinen Gründen dafür keinen Hehl machte, da habe ein Kollege gesagt: „Es wäre besser für alle gewesen, wenn er geheiratet hätte.“ Das Zölibat „wäre schuld, und wir könnten weitermachen wie bisher“.

Und genau das wollte Frings nicht – weder sich „die Situation der katholischen Kirche und das Pfarrer-Sein schönreden“, noch der Kirche ganz den Rücken kehren: „Das kam für mich nie in Frage: Ich liebe die Kirche. Und ich bin nach wie vor Priester.“ Nach der Niederlegung seiner Ämter – zuletzt in einer Großgemeinde in Münster mit 30 Prozent Zuwachs („aber zu wenig Zukunftsperspektive“) – suchte er zunächst Ruhe in einem Kloster an der niederländischen Grenze. Und schrieb sein gerade im Herder-Verlag erschienenes und bereits viel diskutiertes Buch „Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“. Mit einer Lesung daraus ist er am 19. Juni in Wiesbaden zu Gast.

Was genau sind seine Gründe? Da seien zum Beispiel die veränderten Lebensentwürfe der Menschen: „Für viele spielt Kirche nur dann eine Rolle, wenn die Kinder einen katholischen Kindergarten besuchen und hier christliche Werte vermittelt bekommen sollen oder man aus diesen Gründen ein konfessionelles Krankenhaus vorzieht.“ Das habe aber nichts mit der Teilnahme an der Messe zu tun: „Kinder sollen heute schwimmen lernen, ohne ins Schwimmbad zu gehen. Da stehen Sie als Bademeister blöd da.“ Und die fusionierten Großgemeinden? „Machen in der Stadt ja noch Sinn, aber auf dem Land nicht.“ Dörfer wachsen nicht zusammen, ist seine Erfahrung. Was könnte der Kirche neue Perspektiven geben? Frings skizziert dazu ein Gemeindemodell, das Mitglieder nicht nach Wohnsitz zusammenfasst, sondern offen ist für alle – die Getauften und Ungetauften. „Entscheidungsgemeinde“ nennt er seine Zukunftsvision: „Sie basiert auf Mitgliedern, die wirklich hier sein wollen.“ Und auf einer Kirche, „die selbstbewusst sagt: Wir laufen Euch nicht hinterher.“ Einer Kirche, die deutlich vermitteln sollte: „Nicht wir sind Kirche – Ihr seid Kirche.“

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Das alles gehe nur mit Erneuerung von innen. Sieht er sich als Reformator – passend zum Lutherjahr? Frings lacht: „Das nun nicht. Dazu bin ich zu konservativ.“ Sein Buch habe er nicht nur für die Hauptamtlichen geschrieben, „die ihre ganze Energie in die Aufrechterhaltung des Systems stecken“, sondern für jeden, der heute Antworten auf Fragen zur Kirche sucht. Vielleicht ist deshalb der Ton so lässig, sein Schreibstil so unterhaltsam, sind die Geschichten aus dem Pfarrerleben so launig.

Wie die von dem Mann, der seinen Hund mit in die Kirche brachte mit dem Hinweis, dass der noch nie etwas Böses gedacht habe. Und dem er entgegnete: „Deshalb ist diese Kirche auch für sündige Menschen und nicht für heilige Hunde gebaut worden.“ Humor zählt also auch zu seinem Kirchenmodell.

Und wie geht es jetzt nach dem Wirbel um das Buch für ihn weiter? „Ich bin beurlaubt und im Gespräch mit meinem Bistum in Münster. Von dort habe ich ein sehr gutes Angebot bekommen.“ Das war dann eine Reaktion, die ihm Hoffnung macht für die Zukunft.