Romanlesungen mit zwei Mainzer Autoren auf Literaturschiff

Die Autoren Dagmar Leupold (re.) und Stefan Moster stellen ihre Romane „Die Witwen“ und „Neringa oder die andere Art der Heimkehr“bei einer Lesung auf dem Literaturschiff vor.Foto: hbz/Stefan Sämmer  Foto: hbz/Stefan Sämmer

Rheinkapitän Jürgen Brillmaier hat den Dieselmotor gestartet, nautisch steuert die „MS Rhenus“ stromabwärts und auch musikalisch ist alles im Fluss – das Duo „the...

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MAINZ. Rheinkapitän Jürgen Brillmaier hat den Dieselmotor gestartet, nautisch steuert die „MS Rhenus“ stromabwärts und auch musikalisch ist alles im Fluss – das Duo „the flow“ bringt das Literaturschiff ins richtige Fahrwasser. „Die Initiative Aktion Lesen des Bistums Mainz zur Förderung einer Lese- und Erzählkultur hat in der 16. Auflage mehrere Hundert Literaturbeflissene aufs Wasser gelockt und ist somit zur festen Größe im Kulturprogramm der Stadt Mainz geworden“, verkündet freudig Ordinariatsrat Josef Staudinger, Leiter der Buchhandlung am Dom.

Bei der Auswahl der Autoren habe man in diesem Jahr bewusst das Lokalkolorit einfließen lassen, beide hätten ihre schulische Ausbildung an Mainzer Gymnasien absolviert und thematisch ginge es um Abschied und Wiederkehr und ganz profan: Mann trifft Frau und Frau begegnet Mann. Das passte zu dieser Bootsfahrt, wenn man den Rhein wie in der Mythologie als Ort von grenzüberschreitenden Übergängen versteht.

Dagmar Leupold macht mit ihrem aktuellen Abenteuerroman „Die Witwen“ den Auftakt der Lesungen. Vier langjährige Freundinnen, die sich bereits seit der Schulzeit kennen, dann sich aus den Augen verloren haben sind des Provinzlebens überdrüssig und begeben sich mit ihrem angeheuerten Chauffeur Bendix abenteuerlustig auf eine Reise bis zur Quelle der Mosel in die Vogesen. Am Rande verrät Leupold: Eigentlich seien es gar keine richtigen Witwen ...

Passagen aus Momenten der größten Spannung

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Die Autorin lässt mit ihrer schönen Erzählstimme die vergnüglich wie sprachlich kunstvolle Geschichte des Roadmovies mit einer Autopanne beginnen und schon die Beschreibung der Charaktere verzückt ihre Zuhörer, stellt sie doch wunderbare Vergleiche zur Kunstgeschichte her. Wunderbar wie Leupold die Protagonisten exakt beobachtet und sie ihre gnadenlosen Offenbarungen erzählen lässt. „Es sind Momente der größten Spannung, wo der Spannungsbogen auf der Klimax ankommt“, erläutert die Autorin zwischen den ausgewählten Lesepassagen. Es ist ein durchaus sentimentaler Roman, der am Sinn des Lebens kratzt.

Nach der Pause hat Stefan Moster mit seinem Roman „Neringa oder die andere Art der Heimkehr“ Platz genommen. Die Romanhandlung spielt in der zerstörten Stadt der Nachkriegsjahre. Stefan Moster gelangt auf die Erinnerungsspur und beschreibt, wie ihn eine Niedergeschlagenheit überfällt. Bei seinen Buchrecherchen in Mainzer Archiven verarbeitet er die Erinnerungen an seinen Großvater Jakob, der den seltenen Beruf eines Holzpflasterers ausübte. Die heutige Große Bleiche war damit belegt und wird im Bombenangriff 1945 infernalisch ausgebrannt zur Todesstraße: „Unverschuldete Schuld“ nennt es der Autor mit viel Gespür und sprachlich wunderbar formulierten Passagen auch für das nicht auf Anhieb Sichtbare. Weitere Spielorte der Handlung sind der Mont-Saint-Michel und London, wo die litauische Arbeitsimmigrantin Neringa eine besondere Romanrolle einnimmt und seinem anspruchsvoll philosophischen Werk sogar ihren Namen gibt.