Premiere am Staatstheater Mainz: Tom Lanoyes düsteres...

Fassungslosigkeit auf einem Trümmerfeld, wo eben noch Leben war: Andrea Quirbach in der Hauptrolle.Foto: Staatstheater/Andreas Etter  Foto: Staatstheater/Andreas Etter

Man könnte schreien: „Es ist genug, genug mit dem Terror, den Selbstmordattentätern, der Ungewissheit und der ständigen Angst vor dem, was morgen kommt.“ Muss das, was...

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MAINZ. Man könnte schreien: „Es ist genug, genug mit dem Terror, den Selbstmordattentätern, der Ungewissheit und der ständigen Angst vor dem, was morgen kommt.“ Muss das, was uns tagtäglich aus den Medien ins Gesicht springt, jetzt auch noch am Abend im Theater stattfinden? Es muss, so jedenfalls sieht es der Regisseur Daniel Foerster und sicherlich ein jeder, der andere Aspekte sucht.

„Gas“, das Stück über Terror und eine verunsicherte Mutter, konnte das Mainzer Staatstheater nicht im Großen oder Kleinen Haus oder auf die Bühne U17 bringen, denn das Stück „Gas“ des Niederländers Tom Lanoye ist ein Monolog einer Mutter, deren Sohn ein U-Bahn Attentat begangen hat mit 184 Toten, darunter 70 Schüler und 20 Kleinkinder. Der Dschihadist, der Sohn, der Überläufer, der Bekehrte, wird noch am Tatort von der Polizei erschossen. Das alles ist schon für eine in ständiger Trauer verharrende Welt kaum zu begreifen, für eine Mutter (Andrea Quirbach), die ihren einzigen Sohn verliert, der zum Monster mutierte, schon gar nicht. Das Grauen ist für sie nicht fassbar, für sie, die alleinerziehende Mutter, die von der Geburt erzählt, der Kindheit, dem aufregenden Leben als Jugendlicher und von den Talenten und Eigenheiten, die ihr Sohn hatte. Sie versucht die Beziehung zu ihm zu analysieren und stellt sich die Frage, wann sie ihn wohl verloren hat, wann er in die „Fänge“ der anderen geraten ist, die ihn, dem sie alles an Zuneigung gegeben hat, „umgedreht“ haben. Das Stück „Gas“ spielt das Ensemble des Mainzer Staatstheaters in einem Supermarkt der ehemaligen amerikanischen Kaserne in der Gemarkung Nierstein. Das Gebäude angeboten zu bekommen, war ein Glücksgriff, denn dank nicht vorhandener Sicherungskräfte auf dem Gelände wurde hier geplündert, was das Zeug hält, und so sah es bei der Besichtigung durch Mitglieder des Staatstheaters aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. 60 Zuschauer werden hier Platz finden. Die Technik kommt aus Containern, der Wein aus Nierstein. Eine beklemmende Atmosphäre in unwegsamem Gelände. „Ich suche ihn. Mein Kind“, ist das Thema der Mutter. Doch sie findet nur das Unerklärliche – und man sieht sich mit der monströsen Frage konfrontiert: Könnte das auch mein Kind sein?