Philharmonisches Staatsorchester spielt Mendelssohn in Mainz

Wahrscheinlich hat der ein oder andere Musiker nach einer langen Saison ganz reale Aussichten auf Ferientage in Italien: Mit dem neunten Sinfoniekonzert im Staatstheater...

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MAINZ. Wahrscheinlich hat der ein oder andere Musiker nach einer langen Saison ganz reale Aussichten auf Ferientage in Italien: Mit dem neunten Sinfoniekonzert im Staatstheater verabschiedete sich das Philharmonische Staatsorchester in die Sommerpause und gab sich und seinem Publikum Felix Mendelssohn Bartholdys heiter-beschwingte vierte Sinfonie A-Dur op. 90 mit auf den Weg. Schließlich verbreiten das populäre Hauptthema im ersten Satz, vor allem aber das „Saltarello“-Finale der so genannten „italienischen“ Sinfonie reichlich sonnige Stimmung, wie sie die Holzbläser im Großen Haus absolut unbeschwert ausstrahlten.

„Carlo“ vor Mendelssohn-Sinfonie

Vor dem Finale mit Mendelssohn war durchaus Hörarbeit gefragt, wenn auch ebenfalls in südliche Richtungen gewandt. 1590 ermordete in Neapel der Renaissancekomponist Carlo Gesualdo aus Eifersucht seine Frau. Der unbestrafte „Ehrenmord“ scheint die Fantasie mancher Gegenwartskomponisten anzuregen; Salvatore Sciarrino, dessen „Macbeth“-Vertonung vor sechs Jahren im Mainzer Kleinen Haus zu erleben war, machte sogar eine in Schwetzingen uraufgeführte Kammeroper daraus („Luci mie traditrici“).

Auch Brett Dean, der Australier, dem am vergangenen Wochenende das dritte Mainzer Komponistenporträt gewidmet war, hat sich von Gesualdo anregen lassen: In „Carlo“, seiner „Musik für Streicher, Sampler und Tonband“, die direkt vor Mendelssohns Sinfonie erklang, überblendet er Choräle mit seiner eigenen lichten, filigranen, nervösen eigenen Musik, die oft in unwirkliche Höhen zu streben scheint.

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Eine hautnahe musikalische Verbindung

Das ist, wenn der 1961 geborene Australier sein eigenes Instrument, die Bratsche, spielt, durchaus ungewöhnlich. In seinem 2005 in London uraufgeführten, dreisätzigen „Viola Concerto“, das Dean für sich selbst komponierte und nun auch im Großen Haus interpretierte, wirkt sein Instrument in diesen äußersten Lagen noch haltloser und ein wenig fremder, als es eine höhere Geige sein könnte.

Bäumer und Dean, die sich seit ihrer gemeinsamen Zeit als Mitglieder der Berliner Philharmoniker kennen, fanden gemeinsam mit dem Orchester eine hautnahe musikalische Verbindung. Eingangs war Mendelssohns Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ op. 27 erklungen und hatte glaubhaft versprochen: Wirklich schwer oder gar erdig sollte zum Saisonschluss ganz bestimmt nichts tönen.