„Mord in der Schöfferstadt“ mit Autorin Kerstin Lange

4. Mai 1987. In Speyer stirbt Maria Selbach unter einem Zug. Unfall oder Selbstmord? Kriminaloberrat Ferdinand Weber, inzwischen im Ruhestand, übernahm die Suizid-Version –...

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GERNSHEIM. 4. Mai 1987. In Speyer stirbt Maria Selbach unter einem Zug. Unfall oder Selbstmord? Kriminaloberrat Ferdinand Weber, inzwischen im Ruhestand, übernahm die Suizid-Version – und wird überraschend 29 Jahre später erneut mit der Frage konfrontiert. Anlass zu Ermittlungen nämlich gibt ihm ein schwerer Verkehrsunfall des ihm gerade bekannt gewordenen Clément Aust. War es ein Mordversuch? Ausgerechnet an diesem Tag, an dem Marias Tod ob eines Großereignisses völlig unbedeutend schien: Ausnahmezustand, da Papst Johannes Paul II. in Speyer weilt. Der gerade noch gerettete Aust ist wenig später dennoch tot. Weber zweifelt keine Sekunde, dass Aust ermordet wurde.

Rund um die Geschehnisse 1987 und den aktuellen Vorgängen entwickelt Kerstin Lange in ihrem Krimi „Speyerer Geheimnisse“ eine Geschichte mit vielen Handlungssträngen, die Leser gewinnende Protagonisten, fiese Charaktere und eine Sight-Seeing-Tour in der Kaiserdom-Stadt. Aus ihr trug sie am Freitag auf Einladung der Buchhandlung Bornhofen, der Kreisvolkshochschule und der Stadt Gernsheim vor. „Mord in der Schöfferstadt“ titelt diese Reihe, die sich auf Kriminalromane spezialisiert hat.

Lange spinnt ihre Geschichte um die „Reithalle“ im Speyerer Quartier Normand, die eigentlich eine Sporthalle ist. Dieses Quartier ist ein in einer früheren französischen Kaserne entstandenes Wohnviertel in Speyer. Diese identitätsstiftende Bestandsbebauung soll abgerissen werden. Die Unternehmerin Ingeborg Schindler setzt sich heftig gegen diese Pläne ein. Als Weber an einer Demonstration gegen den Abriss teilnimmt („eine Frage der Ehre“), lernt er Aust, geborener Hervier, kennen, der einst mit französischen Streitkräften in der Kaserne stationiert war.

Die beiden Männer verbindet mehr: Beide haben dubiose Postkarten erhalten. Es zeigt das Konterfei des Papstes vor dem Speyerer Dom, daneben ein Wappen mit der Inschrift „Totus Tuus“. Lange nutzte die Gelegenheit zur Volksbildung: Auf dem Umweg über eine Evangelisations- und Gebetsgemeinschaft gleichen Namens hatte sie das Geheimnis der lateinischen Worte aufgedeckt: Mit „Ganz Dein“ hatte sich der polnische Papst der Gottesmutter verschrieben.

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Die durchaus verzwackte Geschichte hält den Leser bei der Stange: Maria hat ein Kind, das adoptiert wurde. Mechthild Krause ist eine alte Frau mit Krebs ohne Aussicht auf Heilung, die um die Vorgänge 1987 offenbar Näheres weiß, Kerstin Lange ließ alles offen. Stattdessen erzählte sie, wie viel Spaß ihr die Recherche gemacht habe – und kündigte, nach diesem zweiten Fall für Weber, einen dritten Speyerer Krimi an.