Kronkorken und Beziehungsstress: Poetry Slam im Frankfurter...

Trotz Temperaturen über 30 Grad sind Requisiten beim Poetry Slam im Frankfurter Hof verboten. Noch nicht einmal Eiswürfel in der Hose oder ein Taschenventilator sind erlaubt....

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MAINZ. Trotz Temperaturen über 30 Grad sind Requisiten beim Poetry Slam im Frankfurter Hof verboten. Noch nicht einmal Eiswürfel in der Hose oder ein Taschenventilator sind erlaubt. Den gibt es aber für die Jury, denn Ken Yamamoto, der Chef, war vorher im Ein-Euro-Laden, und Jens Jekewitz, ebenso Chef, hat sie in der Hosentasche, dazu alkoholischen Spirit für die fünf Jurygruppen.

Es ist der letzte Slam vor der Sommerpause, und Esther Aillauds grandiose Stimme stimmt ein. Fünf Slammer, eine Slammerin, ein Mikro, keine Requisiten und sieben Minuten Zeit.

Los geht’s mit Jan Cönig aus der Nachbarstadt Frankfurt, der „Das gute Buch“ geschrieben hat. Jan Cönig, das „Alter Ego“ von Christian Reccius, geht mit 14 Grundschülern in den Wald, wo Spechte Gruselgeschichten morsen, der Bäumling sich als Brennnessel entpuppt, das Smartphone den Geist aufgibt und der Hundehaufen kein Tannenzapfen ist, denn Natur ist perfekt.

Noah Klaus aus Berlin hat den Slam nach der Sommerpause 2016 auf dieser Bühne gewonnen. Sein Ich ist Frau geworden. Warum zuckt Frau im Geschichtsunterricht zusammen, wenn ein Schwert aus der Scheide gezogen wird? Und kann man Bierflaschen mit den Titten öffnen? Das Publikum tobt, die Jury weniger.

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Leticia Wahl aus Marburg ist neu, sie schließt die Augen und reflektiert über die Liebe – sie rappt, indem sie sich auf den Brustkorb schlägt. „Alte Wunde, altes Glück, das eigene Herz ist abgehauen.” Zu romantisch, vielleicht.

Jan Cönig kommt eine Runde weiter. In der sich erst einmal Karsten Lampe mit seinem Gehirn abplagen muss, das an die „in den Boden zu schämenden“ Erinnerungen klopft, gerade als man eingeschlafen ist, und Arschloch darf man zum Gehirn gar nicht sagen, denn dann meldet es sich – und der Schlaf ist dahin.

Hass auf den heißen Sommer in Frankfurt

Jey Jey Günderling, schon wieder Frankfurt, wo er den Sommer genau so hasst wie Drachenboote auf dem Main und Stand-up-Paddler als Seuche empfindet, das Schwimmbad nicht nutzen kann, weil man spürt, wie der Rentner mit der roten Glatze ins Wasser pinkelt und die Mayo auf dem Weg sich zwischen die Zehen quetscht.

Valerio Moser aus der Schweiz hat Ken Yamamoto einst im Zug kennengelernt und mit nach Mainz gebracht. Sein Outfit ist Wetter-konform und sein Vortrag ein Wutausbruch ans Publikum bis hin zum Mittelfinger. Und dann, und dann, und dann ... geht’s weiter mit dem Finale zwischen Jan Cönig mit einem Beziehungsendebrief und Karsten Lampe mit einem Nachmieterbrief. Jan Cönig kann sich dem Absinth hingeben, Platz 1, und Karsten Lampe dem warmen Schaumwein, Platz zwei.