Kreis Groß-Gerau gilt als FSME-Risikogebiet – doch wie...

Silke Brandenburg vom Kreisgesundheitsamt informiert über Vermeidung und Folgen von Zeckenstichen. Foto: Vollformat / Alexander Heimann  Foto: Vollformat / Alexander Heimann

Die Angst vor Zeckenstichen und den Folgen ist besonders im Sommer ein Thema, das Menschen bewegt. Doch wie hoch ist die Gefahr einer durch Zecken übertragenen schweren...

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KREIS GROSS-GERAU. Die Angst vor Zeckenstichen und den Folgen ist besonders im Sommer ein Thema, das Menschen bewegt. Doch wie hoch ist die Gefahr einer durch Zecken übertragenen schweren Erkrankung? Und: Wie kann sich der Einzelne schützen? Diese und weitere Fragen erörterte Dr. Silke Brandenburg vom Kreisgesundheitsamt Groß-Gerau im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der Kreis Groß-Gerau befindet sich im nördlichen Grenzbereich des FSME-Risikogebiets, das sich vor allem über den süddeutschen Raum erstreckt (Infokasten). FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Der Virus werde von Kleinnagetieren wie Mäusen auf Zecken übertragen. Diese wiederum können Menschen infizieren, schildert Brandenburg. Die Krankheit ist meldepflichtig. Treten Verdachtsfälle auf, muss der behandelnde Arzt die Gesundheitsbehörde informieren, diese wiederum verständigt das zuständige Landesamt.

Persönliches Risiko abschätzen

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In den vergangenen neun Jahren wurden im Kreis Groß-Gerau insgesamt sechs Krankheitsfälle bekannt, zuletzt war es ein Fall im Jahr 2016. Zwar rät Brandenburg zu erhöhter Vorsicht vor allem beim Aufenthalt in Wäldern, Panik jedoch ist nicht angesagt. „Ich will das nicht bagatellisieren, aber man muss die Kirche im Dorf lassen und abschätzen, wie hoch das persönliche Riskio ist.“ Denn nur ein geringer Anteil der Zecken von 0,1 bis 5 Prozent trage das FSME-Virus. Auf dieses wiederum reagierten im Fall einer Übertragung 30 Prozent der Betroffenen, der Rest zeige keine Symptome. Kommt es allerdings zum Ausbruch der Krankheit, können neurologische Ausfälle und bleibende gesundheitliche Schäden die Folge sein. In einem Prozent führt die Krankheit zum Tod.

Hat sich eine Zecke in der Haut festgesaugt, sollte sie weit unten gegriffen und direkt herausgezogen werden. „Ohne Öl, ohne drehen“, betont Brandenburg. Diese zusätzlichen Maßnahmen verursachten bei dem blutsaugenden Parasiten lediglich Stress und führten zur vermehrten Übertragung von Viren oder Bakterien, da die Zecke beim Saugvorgang Speichel in die Wunde abgibt. Während landläufig vom Zeckenbiss die Rede ist, handelt es sich übrigens um einen Stich, wie Brandenburg betont. Mundwerkzeug ist ein Stechrüssel, der häufig Zähne aufweist, die als Widerhaken wirken.

Symptome äußerten sich nach sieben bis 14 Tagen

Anschließend heißt es, zunächst einmal abwarten. Es bringe nichts, sofort einen Arzt aufzusuchen oder gar die Zecke untersuchen zu lassen. Selbst wenn sie das FSME-Virus trägt, müsse es nicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. Typische Symptome äußerten sich nach sieben bis 14 Tagen grippeähnlich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schwindel und Erbrechen. In diesem Fall sei es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Nach einer Pause von weiteren ein bis drei Wochen könne es zu neurologischen Ausfällen und einer Hirnhautentzündung kommen.

Bei der bakteriellen Übertragung von Borreliose hingegen trete im Bereich der Einstichstelle eine Hautrötung auf, später kann es zu Grippe-Symptomen und schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen kommen. Während hier ein Antibiotikum eingesetzt wird, gibt es bei FSME keine spezielle Behandlung.

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Vorbeugend gegen FSME – nicht aber gegen die häufiger auftretenden Borreliose-Erkrankungen – wirkt eine Impfung. Sie bietet den „effektivsten Schutz“, betont Brandenburg. Empfehlenswert sei die Impfung für alle, die oft in Wäldern unterwegs sind – beispielsweise Forstmitarbeiter oder Kinder in der Wald-Kita. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung in Risikogebieten grundsätzlich, Kritiker sehen dies skeptisch, da es im Zusammenhang mit Zeckenimpfungen zu Nebenwirkungen, in seltenen Fällen sogar zu schweren gesundheitlichen Problemen kommen kann.

Die Auswertung der Schuleingangsuntersuchungen von 2016 hat ergeben, dass im Kreis Groß-Gerau immerhin 45,38 Prozent der Vorschulkinder im Alter zwischen fünf und sieben Jahren gegen FSME geimpft waren.

Wer vorbeugen will, kann sich auch durch lange, helle Kleidung, auf der Zecken zu erkennen sind schützen, die Socken am besten über die Hosenbeine getragen. Außerdem gibt es Schutzsprays, die allerdings nur wenige Stunden wirken.

Neben dem Gemeinen Holzbock entdeckten Forscher nun, dass auch die in Wald- und Wiesenzonen lebende Auwaldzecke FSME-Viren übertragen kann. Diese ist vor allem von Februar bis Mai und von September bis November aktiv. Damit verlängert sich das Zeckenstich-Risiko weiter in die Wintermonate hinein.