Gutachten nach Wirbelschleppen: Sicherheitsmängel an...

Immer wieder wurden in Flörsheim Ziegel durch Wirbelschleppen von Dächern gerissen. Eine Klammerung soll helfen. Doch wie gut wurde diese ausgeführt? Die BI Flörsheim-Hochheim ließ jetzt ein Dacht (nicht das gezeigte) von einem Gutachter überprüfen. Foto: Hildegund Klockner

Ein Gutachten zur Sicherung von Dachziegeln vor Schäden durch Wirbelschleppen stellt erhebliche Mängel an einem untersuchtem Haus in Flörsheim-Hochheim fest.

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FLÖRSHEIM. Die Diskussion um die Gefahr von Wirbelschleppen unter der Einflugschneise zur Nordwestlandebahn und die Wirksamkeit der Klammerung von Dachziegeln wird jetzt durch ein von der Bürgerinitiative (BI) Flörsheim-Hochheim in Auftrag gegebenes Gutachten neu befeuert. Die BI, die das Gutachten auf ihrer Homepage veröffentlicht, spricht von „gravierenden Sicherheitsmängeln“ bei den zum Schutz vor Wirbelschleppen geklammerten Dächern im Rahmen des Sicherungsprogramms der Fraport. Die Untersuchung wurde von Günter Sattler, einem öffentlich bestellten Sachverständigen der Handwerkskammer Wiesbaden ausgeführt, und bezieht sich auf ein Haus in der Kernzone in Flörsheim, dessen Dach bereits vor einigen Jahren geklammert wurde. Die genaue Adresse soll nicht preisgegeben werden.

Von der Fraport hätten die Eigentümer die Bestätigung erhalten, dass die Klammerung o.k. sei, sagt BI-Sprecherin Carola Gottas. Das Gutachten spricht aber von erheblichem Gefahrenpotenzial. Dachfläche und Dachhaken seien nicht ausreichend gesichert, deshalb dürfe das Dach nicht betreten werden. Arbeiten daran dürften nur von einem Gerüst aus erledigt werden.

Ausgangspunkt war der Vorfall im Mai, als in der Rheinallee Ziegel von einem Dach herabstürzten und nur knapp die Köpfe der auf der Terrasse des Nachbarhauses sitzenden Menschen verfehlten. Wie sich herausstellte, war das Dach geklammert gewesen, laut Schadensbearbeiter der Fraport aber wohl unsachgemäß. Verunsicherte Bürger hätten sich danach hilfesuchend an die BI Flörsheim-Hochheim gewandt, wie diese mitteilt. Daraufhin habe die BI ein Gutachten bei dem unabhängigen, öffentlich bestellten Gutachter in Auftrag gegeben und dies aus der Spendenkasse selbst finanziert.

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Vor- und Schuppendach überhaupt nicht gesichert

„Wir gaben uns verschiedene Dächer angeguckt“, sagt Carola Gottas zum Auswahlverfahren des untersuchten Hauses. Diese seien von einer Vielzahl verschiedener Dachdeckerfirmen geklammert gewesen. Die Wahl fiel auf ein Haus in der Kernzone, das an einem Schulweg liege und noch keine Wirbelschleppenschäden aufweise. Am 20. August war der Wiesbadener Gutachter dann vor Ort. In seinem Bericht, der jetzt vorliegt, führt er eine ganze Reihe von Mängeln an der Ausführung der Klammerung auf, angefangen von der Verwendung falscher Schrauben und Holzbohlen über eine mangelnde Nachbefestigung der Traglatten der Unterkonstruktion bis hin zu einer Befestigung der Sicherheitsdachhaken in einer geschwächten Konterlatte. Außerdem seien das Hausvordach und das Schuppendach überhaupt nicht gesichert worden.

Weil das vorgegebene Klammerschema nicht eingehalten worden sei, könne die Sicherheit vor Wirbelschleppenschäden nicht gewährleistet werden, lautet die Schlussfolgerung der BI. Und „besonders skandalös“ sei es, dass die Sicherheitshaken, welche auf Grund der Klammerung vorgeschrieben sind, nicht ordnungsgemäß befestigt wurden, sodass der Gutachter das Betreten des inspizierten Daches ohne erneuten Gerüstbau ausdrücklich untersagt habe. Unter diesen Umständen seien eine Reparatur, Inspektion oder das Betreten des Daches nur unter hohen finanziellen Aufwand seitens des Eigentümers machbar.

BI fordert Rücktritt von Fraport-Vorstandsvorsitzendem

Laut Gutachter sei auch eine Wartung der geklammerten Dächer einmal jährlich gesetzlich vorgeschrieben, was kaum einem Eigentümer bekannt sei, eine Tatsache, „die den Hauseigentümern bewusst verschwiegen wurde“ sagt Carola Gottas. Außerdem könne eine Wartung an keinem der geklammerten Dächern stattfinden, da generell keine der vorgeschriebenen Dokumentationen vorlägen.

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Die BI hebt hervor, dass es sich bei dem begutachteten Dach nicht um eines der von der Fraport als mangelhaft geklammert ausgewiesenen 100 Dächern handele. „Wir müssen also von unzähligen weiteren unsachgemäß geklammerten Dächern ausgehen, von denen weiterhin Lebensgefahr durch eine Dachabdeckung bei Wirbelschleppen besteht,“ sagt Carola Gottas. Als Konsequenz aus dem Gutachten fordert die BI den Rücktritt von Fraport-Vorstandsvorsitzendem Stefan Schulte und Betriebsbeschränkungen für die Nordwestlandebahn.

Ein Sprecher der Fraport sagte auf Anfrage, das Unternehmen werde sich das von der BI vorgelegte Gutachten angucken. Eine Bewertung könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vornehmen. Außerdem wolle man mit dem Eigentümer des betreffenden Hauses Kontakt aufnehmen und Nachbesserungen, sollten sie notwendig sein, finanzieren.

Von Angelika Heyer