Geldautomat in Groß-Gerau gesprengt

Geldautomat in Groß-Gerau gesprengt. Foto: Jürgen Mahnke

Heftige Explosion in der Nacht zu Freitag: Unbekannte Täter sprengten in Groß-Gerau einen Geldautomaten.

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GROSS-GERAU. Bisher unbekannte Täter haben laut Polizei in der Nacht zum Freitag in der Commerzbank-Filiale in der Mainzer Straße einen Geldautomaten gesprengt und dabei einen erheblichen Schaden angerichtet. Mit dem erbeuteten Geld sind sie nach Zeugenangaben in einem schwarzen Fahrzeug Richtung Autobahn geflüchtet.

Es war gegen 2.30 Uhr, als zahlreiche Anwohner und die Bewohner über der Commerzbank-Filiale durch eine heftige Explosion aus dem Schlaf gerissen wurden. Als sie auf die Straße schauten, sahen sie zwei dunkelhäutige Männer zu einem schwarzen Auto rennen und mit hohem Tempo davonrasen. Wieder einmal hatten Automatensprenger zugeschlagen und Bargeld erbeutet. Ohne Rücksicht auf Verluste, denn bei solchen Explosionen können durchaus unbeteiligte Menschen zu Schaden kommen, vor allem wenn die Räume, wie in Groß-Gerau, über der jeweiligen Bank bewohnt sind.

Den Anwohnern, die sofort die Polizei alarmiert haben, bietet sich ein Bild der Verwüstung. Die gesamte Front der Commerzbank-Filiale ist zerstört, die Glasscherben der Fenster sind viele Meter weit bis auf die Straße geflogen. Innen liegt der verbeulte Geldautomat. Deckenteile hängen sowohl im Vorraum, als auch in der Filiale selbst von der Decke. Wände sind verschoben. Die Wucht der Explosion muss enorm gewesen sein.

Die Polizei ist wenige Minuten nach der Tat mit mehreren Fahrzeugen vor Ort, leitet sofort eine Fahndung nach den Tätern ein. Doch vergebens. In der Bank nimmt die Spurensicherung ihre Arbeit auf, während die Bewohner der Wohnung über der Bank ihre Räume vorübergehend verlassen müssen. Schnell ist klar, dass die Geschäftsräume vorerst nicht mehr genutzt werden können. Ein Statiker muss her, um die Standsicherheit des Gebäudes zu überprüfen. Die Statik, so der erste Augenschein, scheint aber nicht gefährdet.

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Als am Morgen die Mitarbeiter der Bank zu ihrem Arbeitsplatz wollen, sind sie schockiert. Vieles steht nicht mehr an seinem Platz, Aktenordner liegen kreuz und quer verstreut. Doch solange die Spurensicherung noch arbeitet, darf das Gebäude nicht betreten werden. Am Nachmittag dann eine erste Bestandsaufnahme. Die Filiale bleibt auf jeden Fall auch am kommenden Montag, womöglich aber auch noch darüber hinaus, geschlossen. Die Mitarbeiter haben erst einmal festgestellt, wo welche Handwerker tätig werden müssen. Die ersten Fachleute rücken bereits am Nachmittag an. „Wir wollen auf jeden Fall so schnell als möglich wieder öffnen“, sagt der Presssprecher der Commerzbank, Thomas Schwarz, auf Anfrage. Die Filiale bleibe zwar geschlossen, die Mitarbeiter seien aber telefonisch erreichbar, die Bankgeschäfte könnten weiterhin abgewickelt werden.

Die Summe des gestohlenen Geldes kommuniziere die Bank nicht, so Schwarz. In einem Geldautomaten können sich aber mehrere Zehntausend Euro befinden. Auch über die Schadenshöhe am Gebäude könne man noch keine Angaben machen.

Christiane Kobus, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen, nennt vorsichtig „mindestens 50.000 Euro“. Da aber ein neuer Geldautomat bis zu 100.000 kostet und der Gebäudeschaden hinzuaddiert werden muss, könnte diese Summe weitaus höher und auf jeden Fall im sechsstelligen Bereich liegen.

Da in den vergangenen Monaten immer wieder Geldautomaten gesprengt wurden, hat die Polizei im Polizeipräsidium Gießen eine zentrale Stelle mit dem Titel „Arbeitsgruppe Banden“ eingerichtet. Diese Arbeitsgruppe übernimmt auch in Groß-Gerau die Ermittlungen. Ein Sprecher der Polizeipräsidiums Gießen sagte, der Vorfall in Groß-Gerau entspreche dem Muster organisierter Banden. Sie würden meist mit zwei Personen anrücken, Gasflaschen in den Vorraum der Bank tragen und ein Gasgemisch in die Automaten einleiten und entzünden. „Dann geht alles ganz schnell“, so der Polizeisprecher. Die Männer würden sich die Geldkassette schnappen und mit hoch motorisierten Fahrzeugen flüchten, Wer in der Nacht zum Freitag verdächtige Beobachtungen im Vorraum der Bank oder vor dem Gebäude gemacht hat, soll sich bei der Polizei melden.