Ein haptisches Vergnügen: Svato Zapletal erhält 20. V.O. ...

Die Förderpreisträger Frederic Guille und Gisa Schramml (v.l.) vom „Kollektiv Tod-Verlag“ sind extra aus Paris angereist. In diesem Jahr wurde der 20. V.O.  Stomps-Preis an Svato Zapletal (2.v.r.) von Kulturdezernentin Marianne Grosse (r.) überreicht. Foto: hbz/Stefan Sämmer  Foto: hbz/Stefan Sämmer

„Meine Bücher sind wie eine Frucht; an den Kern, die Literatur, ist oft schwer heranzukommen. Umso wichtiger sind die schöne Schale und ein gutes Fruchtfleisch,“ so...

Anzeige

MAINZ. „Meine Bücher sind wie eine Frucht; an den Kern, die Literatur, ist oft schwer heranzukommen. Umso wichtiger sind die schöne Schale und ein gutes Fruchtfleisch,“ so beschreibt Svato Zapletal seine Buchproduktionen. Dass diese ungewöhnlich und anspruchsvoll sind, zeigt er auf der Mainzer Minipressenmesse in der Rheingoldhalle.

Svato Zapletal erhielt im Gutenberg-Museum, die die Minipressenmesse unter der Leitung der Museumsdirektorin Annette Ludwig und dem Herrscher über das Minipressenarchiv Jürgen Kipp verantwortet, den in der Buchwelt hoch anerkannten Stomps-Preis. Zur diesjährigen Minipressenmesse hat Svato Zapletal sein 71. Buch veröffentlicht. Seit 40 Jahren arbeitet er an dem Gedanken, dass Bücher bedeutender Autoren wie Franz Kafka und Kurt Tucholsky immer etwas Besonderes sein sollten: ein haptisches Vergnügen und lustvoll für die Augen.

„Die Jury zeichnet mit dem 20. V.O. Stomps-Preis einen Verleger aus“, so Kulturdezernentin Marianne Grosse, „der mit seinem buchkünstlerischen Werk eine beachtliche Kontinuität bringt.“ Die Bücher und Drucke werden im Handsatz und auf einer Andruckpresse hergestellt, alles von Svato Zapletal selbst.

Neben der im Gutenberg-Museum handgedruckten Urkunde gibt es einen Scheck über 3500 Euro. Der Förderpreis in Höhe von 1500 Euro geht in diesem Jahr an den „Kollektiv Tod-Verlag“ aus Berlin. Gisa Schramml und Frederic Guille sind zu diesem Zweck extra aus Paris nach Mainz gereist.

Anzeige

Im Jahr 1978 schrieb die Stadt Mainz zum ersten Mal den V.O. Stomps-Preis aus. Der Preis ist als Würdigung des umtriebigen Verlegers Victor Otto Stomps gedacht, der es wie kein anderer verstanden hatte, junge literarische Talente zu entdecken und für sie ungewöhnliche Bücher zu schaffen. Vor allem die ältere Generation erinnert sich gerne an die „Eremitenpresse“ und die später in Berlin gegründete „Neue Rabenpresse.“ 1979 erhielt der heute nicht mehr existierende „Rainer Verlag“ den ersten Stomps-Preis.

Harry Oberländer, der bis 2016, das hessische Literaturforum im Frankfurter Mousonturm leitete, hielt einen bewegenden Vortrag zum Leben und Wirken des Victor Otto Stomps. Der Festakt wurde musikalisch umrahmt von Ricardo Schubert do Vaele (Saxofon), Fabricio Casali und Alejandro Sarriegui (beide Vibrafon und Schlagwerk), Studenten des Peter-Cornelius-Konservatoriums.