Die Freiheitsliebe verbindet Stephan Krawczyk mit Martin...

„Erdverbunden – luftvermählt“ hat Stephan Krawczyk sein neues musikalisch-literarisches Programm genannt, mit Tiefgang und Höhenflügen, Lebensliedern und Poesie....

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MAINZ. „Erdverbunden – luftvermählt“ hat Stephan Krawczyk sein neues musikalisch-literarisches Programm genannt, mit Tiefgang und Höhenflügen, Lebensliedern und Poesie. Gitarren und Geschichten hat er dabei, zu seiner Konzert-Lesung in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek, einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Martin Luther ist allgegenwärtig an dem Abend, passend zum Jubiläumsjahr. „Er war in vielen Dingen weit voraus, obwohl er so lange vor uns geboren wurde“, sagt Stephan Krawczyk, der beeindruckt ist, wie mutig und eigenwillig der Reformator war. Die Freiheitsliebe sieht er als etwas Verbindendes an, denn auch für ihn als Liedermacher und früheren DDR-Bürgerrechtler ist sie ein kostbares Gut. Luther verniedlichen, durch Souvenirs und Spielfiguren? Das sollte man besser nicht, betont er, denn „wir verspielen damit den Reichtum unserer Geschichte“.

Alte Aussprüche sind derb und einfühlsam zugleich

Stattdessen regt er dazu an, alte Sätze neu zu vernehmen und mit einzustimmen, wenn er sie in Liedform darbietet, wie „Red’ was wahr ist, iss was gar ist, trink was klar ist“. So derb manch ein Ausspruch von ihm war, so einfühlsam muss Luther wohl auch gewesen sein: „Siehst du ein Kind, begegnest du Gott auf frischer Tat“, soll er gesagt haben. Bevor er Vater wurde, hat ihn sicher auch das Vergnügen gereizt. Nicht länger als Mönch leben, den weltlichen Genüssen nicht mehr entsagen, auch das mochte ein Antrieb gewesen sein, sagt Stephan Krawczyk, um die Reformation anzuzetteln. Sinnlich wirkt Luther in Überlieferungen auf den 61-Jährigen, der auch in seinen Liebesliedern Lust und Leidenschaft nicht ausspart.

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„Unsre Ewigkeit ist heute“, heißt es in einem anderen Text, eine weitere Erkenntnis fasst er in die Worte „Leben ist von kurzer Dauer, keine Zeit mehr für Verzicht“. Stärker im Hier und Heute zu leben, Mut zu haben zum Augenblick, darin sind ihm Kinder – wie sein 13-jähriger Sohn – ein Vorbild.

Bei Gedichten „mit kauzig schönem Wortsinn“ spielt er als Umrahmung auf der Maultrommel; er pfeift und lädt ein zum Mitsingen. „Mainz wie es singt und lacht“ habe er früher im Fernsehen geschaut, erinnert er sich und würdigt auch den Erfindergeist Gutenbergs. Aufrecht durchs Leben zu gehen und die Sprache zu lieben, die Botschaft nehmen die Zuhörer mit. Mit ihrem Reichtum, ihrer Schönheit, findet Stephan Krawczyk, ist sie ein großer Schatz.