Das Gedenken steht beim Förderverein jüdische Geschichte und...
Gedenktage mit Leben zu erfüllen, das ist eine der Kernaufgaben des Fördervereins jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau. „Wir bemühen uns, andere Formen des...
ERFELDEN. Gedenktage mit Leben zu erfüllen, das ist eine der Kernaufgaben des Fördervereins jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau. „Wir bemühen uns, andere Formen des Gedenkens zu finden“, sagte Vorsitzender Walter Ullrich in der Hauptversammlung. Dazu kamen am Dienstag 20 Mitglieder in der ehemaligen Synagoge zusammen.
Das Gebäude hat der Verein gekauft und saniert. Es dient als Dokumentationszentrum und Versammlungsraum. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, verbliebene Zeugnisse jüdischer Kultur aufzufinden, zu dokumentieren und die Erinnerung daran wachzuhalten.
Wichtige Besuche in den Lagern
Ein wichtiger Punkt der Vereinsarbeit sind Besuche in Gedenkstätten. Ullrich schilderte in der Versammlung seine Eindrücke aus Sobibor und Theresienstadt. „Theresienstadt ist völlig anders“, schilderte Ullrich. Die Stadt diente den Nazis als Vorzeigeobjekt.
Beim Gedenktag am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, hieß es „Die Quellen sprechen“. Es wurde eine Auswahl von Dokumenten aus den Jahren 1933 bis 1945 vorgetragen. Einmal im Jahr wird ein Besuch mit Führung auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Gerau angeboten.
Intensiv werde sich mit dem Thema Stolpersteine befasst, so Ullrich. Im Mai wurde der letzte Stolperstein in Leeheim verlegt, für Erfelden gibt es 35 Steine. Deren Verlegung werde bis 2020 dauern, kündigte der Vorsitzende an. Die Stolpersteine erinnerten nicht nur an Nazi-Opfer, sondern sorgten auch für Diskussionen. „Ich finde es gut, dass kontrovers geredet wird“, so Ullrich. Kritisch sieht er allerdings die Verweigerung in Biebesheim, Dornheim, und Wallerstädten, mit teilweise kuriosen Begründungen. „Die wollen an die Sache nicht ran“, bedauert Ullrich.
Die Stolpersteinverlegungen hatten für den Verein sogar einen positiven Effekt. Aus den Arbeitsgruppen kamen Monika Kraft (Crumstadt) und Pia Kramer (Groß-Gerau) zum Förderverein. Sie wurden am Dienstag einstimmig als Beisitzerinnen gewählt.
Nach der Bundestagswahl gebe es jetzt ein neues Feld der Auseinandersetzung. „Die Geschichte hört nicht auf“, sagt Ullrich. Er spielte deutlich auf die AfD an, ohne ihren Namen zu erwähnen.
Zum Abschluss der Versammlung ging Ullrich auf die Gedenkstunde der Kornsandmorde ein. Nachkommen der Opfer seien traumatisiert, da sie den Tätern oder deren Nachkommen auf der Straße begegneten. Außerdem litten sie unter der Missachtung ihrer Mitbürger in Nierstein. Der Gedenkstein sei als authentischer Ort wichtig.