Blink-182 in Frankfurt: Laute Party, die Laune macht

Sänger, Bassist und Frontman Mark Hoppus beim Konzert in Frankfurt. Foto: Rudolf Uhrig  Foto: Rudolf Uhrig

Blink-182 sind wieder da. Um die Jahrtausendwende hatten die Kalifornier mit ihrem erfrischend jugendlichen, viel eher provokant-ironischen als rebellischen Pop-Punk die Charts...

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FRANKFURT. Blink-182 sind wieder da. Um die Jahrtausendwende hatten die Kalifornier mit ihrem erfrischend jugendlichen, viel eher provokant-ironischen als rebellischen Pop-Punk die Charts gestürmt und, als Nackedei-Videos und Schimpfwort-Einsatz noch Aufmerksamkeit garantierten, mit mancherlei Frivolitäten von sich reden gemacht. Zwischenzeitlich war es ziemlich ruhig geworden um das Trio – man wird eben älter. Mit „California“ setzte es vergangenes Jahr wieder ein Top-Drei-Album, und in der Frankfurter Festhalle ist man fast versucht zu glauben, es sei erst gestern gewesen, dass sich „All the Small Things“, „Rock Show“ oder „First Date“ bei der Abschlussparty zwischen die Eminems und Christina Aguileras in die Playlist gerüpelt haben.

Gnadenlos übersteuerte Soundabmischung

Geht man dieses Konzert als Fan an, der sich in die guten alten, weil so unbeschwerten Zeiten zurückversetzen will, dann kann dies prima gelingen. Der singende Bassist Mark Hoppus hat sich seine jungenhafte Klassensprecherstimme auch mit Mitte 40 bewahrt, Drummer Travis Barker interpretiert selbst seine simpleren Arbeitseinsätze noch immer mitreißend theatralisch als Bodybuilding-Wettbewerb. Zwar rüttelt das Fehlen von Tom DeLonge, der unlängst das Handtuch warf und an Sechssaiter und Mikrofon von Matt Skiba ersetzt wurde, schwer an den Gewohnheiten. Doch wenn regelmäßig nur ein, zwei Anschläge an der Gitarre genügen, um frenetischen Jubel zu erzeugen, dann hat die Band eine Menge richtig gemacht. Flott und einigermaßen catchy sind auch die neueren Nummern, und dass es immer wieder an Abstimmung und Stimmsicherheit fehlt, wird von der gnadenlos übersteuerten Soundabmischung einfach akustisch planiert. Eine laute Party, die Laune macht. Um bei alledem nicht die Freude zu verlieren, braucht es die Fan-Brille allerdings auch, denn Hoppus und Skiba dudeln sich in rund 60 Minuten doch arg routiniert dem Zugabenteil entgegen, der mit „All the Small Things“ beginnt – der „Na Na Na“-Refrain ist beispielgebend für die musikalische Komplexität, mit der die US-Amerikaner zu Werke gehen. E-Bass und Gitarre zerfließen in einen undifferenzierten Klangbrei, mit dem auch immer wieder mal aufflackernde Anflüge musikalischen Ideenreichtums („Los Angeles“) im Handumdrehen zugekleistert werden.

Die jüngsten Plattenkritiken attestieren dem Trio durchaus das Bemühen um Abwechslung und, dass ihr auf Charttauglichkeit gedrillter College-Rock mittlerweile etwas gereifter daher kommt. In der Tat kann man sich Songs wie „Sober“ (Refrain: „Na Na Na“) oder „Bored to Death“, denen die wunderbare Unbeschwertheit der früheren Nummern abgeht, eher auf einer Abschluss-Revival-Feier vorstellen, wo es nach einem kleinen Radler um halb zehn nach Hause geht, um die Babysitterin abzulösen.

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„Weniger ist mehr“ zur Vollendung getrieben

Man muss den Tatsachen wohl ins Auge sehen, dass die Millennials samt ihrer Jugendhelden inzwischen in der Nostalgie-Ecke angekommen sind. Kein Wunder, dass zu „First Date“ eine Musikkassette über die Videoboxen flimmert. Das alles zieht offenkundig nur noch bedingt, der zweite Rang bleibt leer und hinter dem Mischpult wird es zwischen den Reihen, so vorhanden, arg luftig. Auch all die Feuerfontänen ändern daran wenig: Blink-182 haben das Prinzip „Weniger ist mehr“ zur Vollendung getrieben.