Schwarz-gelbe Partnerschaft

Staunende Zuhörerschaft: Der SCO-Vorsitzende Michael K. Theis präsentiert den Mitgliedern im Klubheim die angestrebte Zusammenarbeit mit Borussia Dortmund, der das Plenum anschließend mit überwältigender Mehrheit zustimmt.

RÜSSELSHEIM - Sollte die eine oder andere mahnende Äußerung aus dem Plenum ein wenig für Anspannung bei Michael K. Theis gesorgt haben, so stand dem Vorsitzenden des SC Opel Rüsselsheim die Freude über die breite Zustimmung bald darauf ins Gesicht geschrieben: Bei einer Enthaltung hatten 92 stimmberechtigte Mitglieder des Sport-Clubs dem 61-Jährigen und seinen Vorstandskollegen den Auftrag erteilt, die von Theis federführend angeleierte und am Montagabend im proppenvollen Vereinslokal präsentierte Partnerschaft mit Borussia Dortmund als regionaler Stützpunkt der BVB-Akademie vertraglich auf den Weg zu bringen.

Auch wenn Theis, seit 25. Juni Chef des mit Abstand ruhmreichsten Rüsselsheimer Fußballvereins, im Vorfeld erklärt hatte, bei einem negativen Votum seine Ehrenamtsposition überdenken zu müssen, ernsthaft erwogen wird dieses Szenario niemand haben. „Das ist eine einmalige Chance für einen Amateurverein“, dürfte etwa Axel Vonderschmitt im Rahmen des Stimmenfangs vielen aus der Seele gesprochen haben. Dem Trainer der ersten Männermannschaft („Das bietet auch sportlich gute Perspektiven“) und allen anderen Übungsleitern war die laut Theis „deutschlandweit einmalige Zusammenarbeit“ bereits in der Woche vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung vorgestellt worden – mit entsprechend positiver bis euphorischer Resonanz.

Dennoch war es Theis ein besonderes Anliegen, die Mitgliederschaft im Boot zu wissen und für die kommenden Aufgaben zu sensibilisieren: „Der SC Opel, das seid Ihr, und Euch alle brauchen wir“. Im vergangenen Juli habe der Sport-Club mit 70 Personen bei der Ausrichtung des Testspiels zwischen Huddersfield Town und Dynamo Dresden im Stadion bereits bewiesen, was er leisten kann. Und eine derart breite Unterstützung, auch vonseiten der Eltern, wird mutmaßlich ab 1. Januar für mindestens drei Jahre immer mal wieder vonnöten sein. „Der BVB erwartet professionelle Arbeit von uns“, betonte Theis.

BVB-Traditionself und ein internationales Jugendturnier

Neben weiteren Testspielen von Spitzenteams im Stadion bekommen Fußball- und BVB-Fans unter anderem alljährlich ein internationales Jugendturnier – mit einem BVB-Team als Zugpferd – sowie Auftritte der mit klangvollen Namen durchsetzten Dortmunder Traditionself am Untermain geboten. Die Einnahmen aus allen Projekten vor Ort fließen dem SC Opel zu, der dank der gleichen schwarz-gelben Vereinsfarben pro Saison zudem vier Trikotsätze aus Dortmund spendiert bekommt. Darüber hinaus können SCO-Übungsleiter an Fortbildungsmaßnahmen in Dortmund teilnehmen.

Im Rahmen seiner knapp einstündigen visuellen Präsentation via Leinwand hatte Theis der Versammlung die Entwicklungsschritte bis hin zur Vollendung dargelegt. „Der Ansatz war, einen intelligenten Weg für den SCO zu finden, voranzukommen, ohne sich von ein, zwei Leuten abhängig zu machen.“ Dank der engen beruflichen Verbindung zum BVB und der immer mal wieder auch dort gestellten Frage, „Was macht eigentlich der SC Opel?“, sei Theis irgendwann die Idee gereift, „den SCO als Marke zu installieren, der sich so von den vielen anderen Klubs abhebt und damit besondere Anziehungskraft erfährt.“

Nach dem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsleben war der Weg frei für den Bauschheimer, wobei die speziellen Kontakte zum BVB offenbar nicht alleine ausschlaggebend waren: „Wir haben den SC Opel in den letzten Jahren im Rahmen diverser Projekte bereits als engagierten und verlässlichen Partner kennengelernt und freuen uns auf die Intensivierung der Zusammenarbeit“, erklärte Christian Diercks, Teamleiter der BVB-Fußballakademie. Der SC Opel hatte in der Vergangenheit bereits Feriencamps des BVB und den BVB Family-Cup am Sommerdamm ausgerichtet. Auch diese Maßnahmen laufen im Rahmen der Partnerschaft weiter.

Über die beschriebenen Projekt hinaus setzt Theis aber vor allem darauf, dass die einmalige Verbindung zu dem mit rund 154 000 Mitgliedern viertgrößten Verein Europas nachhaltige Auswirkungen zeigt. „Die Netzwerke, die entstehen werden, bieten Chancen für alle unsere Aktiventeams. Wir können alle ganz viel lernen und nur so unsere Kernkompetenz, den Vereinsfußball im Amateurbereich, weiterentwickeln“, sagte Theis. Ob der eine oder andere Zeitzeuge am Montagabend in diesem Moment schon mal vorsichtig daran gedacht haben mag, dass die Zeiten der SCO-Männer in der Kreisliga A oder die der Frauen in der Hessenliga dann doch bestimmt auch bald beendet sein sollten?

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