Helm verhindert das Happy End
19.12.2011 - RÜSSELSHEIM
Von Martin Krieger
BUNDESLIGA Rüsselsheims Hockeyspieler trotz vier Heimpunkten abgestiegen / Stuttgart rettet sich beim SC 1880
Ein Funken Hoffnung blieb den Hockeycracks des Rüsselsheimer RK und ihren Fans noch. Nachdem die Gastgeber im letzten Saisonspiel gegen den Münchner SC über ein 5:5 nicht hinausgekommen waren und somit im Abstiegskampf der Bundesliga, Gruppe Süd, die Rettung aus eigener Kraft verpasst hatten, konnte nur noch abgewartet werden. Der Hallensprecher verkündete, dass der SC Frankfurt 1880 im Parallelspiel zu Hause gegen den Tabellenletzten Stuttgarter Kickers kurz vor Schluss mit einem Tor zurückläge. „Und wenn da noch der Ausgleich fällt, bleiben unsere Herren drin“, so der Mann am Mikrofon.
Keine 20 Sekunden später brach sich die grenzenlose Enttäuschung in Reihen des Ruderklubs Bahn. „Bei dem einen Tor Rückstand ist es dann auch geblieben“, sagte der Hallensprecher mit belegter Stimme. Damit war klar, dass der RRK aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber München zum zweiten Mal in diesem Jahr abgestiegen und nach dem Feld nun auch in der Halle nach 17 Jahren wieder zweitklassig geworden war. Kapitän Mirco Fuchs schleuderte daraufhin seinen Schläger hoch gegen die Hallenwand und sackte wenige Augenblicke später zwischen Bande und besagter Wand in sich zusammen. Anderen, allen voran Physiotherapeutin Diana Czerwonka, kamen die Tränen. Einige diskutierten eifrig oder bekamen Trost zugesprochen, manche suchten so schnell es irgendwie ging das Weite.
Feldkader wird durch drei Rückkehrer und eigene Talente breiter
Der Trainer und sein erfahrenster Spieler, gleichwohl durch die unschöne Entwicklung erkennbar mitgenommen, stellten sich: „Wenn man immer erst hoch zurückliegen muss, um ins Spiel zu kommen, darf man sich nicht beschweren. Natürlich ist die Offensive ein Kritikpunkt. Es ist bekannt, dass die Mannschaft mit den wenigsten Toren höchstwahrscheinlich absteigt. Aber das Team hat Kampfgeist gezeigt und hätte den Klassenerhalt verdient gehabt.“ Während Coach Gerrit Rothengatter, der sich tags zuvor noch sehr über den 7:5-Sieg über den Nürnberger HTC und ein Ständchen von den Rängen zu seinem 43. Geburtstag gefreut hatte, den am Untermain nicht besonders „geliebten“ Frankfurtern keinen Vorwurf machen wollte, konnte Christian Domke sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Das passt ins Bild, dass die ausgerechnet ihr letztes Heimspiel gegen den Tabellenletzten verlieren. Und wir hatten auch wirklich einen beschissenen Spielplan“, sagte der 32-jährige Hallen-Weltmeister von 2003.
„Aber“, so Domke weiter, „natürlich müssen wir das heute besser machen, vor allem bei den Ecken. Wir wussten, dass es nach den vielen Abgängen schwer werden würde, und das ist jetzt eben die bittere Konsequenz. Wir mussten Abwehrleute zu Stürmern umfunktionieren, und so etwas braucht - unabhängig von der individuellen Klasse - einfach Zeit, bis die Laufwege sitzen.“ Dass die Mannschaft nun auseinanderbricht, diese Gefahr sieht Domke allerdings nicht: „Jonas Hof, Thorsten Küffner und Timo Lehner kommen zurück und der eine oder andere aus der Jugend dazu. Damit sind wir wieder breiter aufgestellt und für mich auf dem Feld eigentlich nur gegen die beiden Topteams Außenseiter.“ Das gibt selbst nach dieser extrem unschönen Bescherung kurz vor Weihnachten Hoffnung, dass die RRK-Männer, die im Freien als Tabellenletzter der Zweiten Bundesliga Süd überwintern, nicht gänzlich in der Bedeutungslosigkeit versinken.
