Zu viel Respekt vor Fanny Rinne
03.12.2011 - RÜSSELSHEIM
Von Martin Krieger
HOCKEY-BUNDESLIGA Junges Damenteam des Rüsselsheimer RK muss Platz an der Sonne nach 5:7 gegen TSV Mannheim räumen
Den Platz an der Sonne räumt niemand gerne. Schon gar nicht freiwillig. Doch bekanntlich ist das Leben kein Wunschkonzert, und insbesondere junge Mannschaften haben zudem häufig mit gewissen Formschwankungen zu kämpfen. Diese Erfahrung machten am Freitagabend die Hockeydamen des Rüsselsheimer RK in der Sporthalle Dicker Busch. Im Topspiel der Bundesliga, Gruppe Süd, unterlag der Überraschungs-Tabellenführer dem TSV Mannheim 5:7 (3:4) und fiel nach der ersten Saisonniederlage im fünften Spiel zumindest für 20 Stunden auf Rang zwei zurück. Mit einem Heimerfolg an diesem Samstag (16 Uhr) über den Mannheimer HC indes würde der Ruderklub auf die Poleposition zurückkehren, da der TSV Mannheim erst am Sonntag wieder spielt.
Obwohl mutmaßlich allen innerhalb der RRK-„Familie“ bewusst war, dass der Höhenflug gegen die deutlich routinierteren und deshalb auch favorisierten Kurpfälzerinnen enden könnte, wurmte die Pleite vor etwa 100 Zuschauern trotzdem: „Wir waren heute ein bisschen träge im Kopf und haben die Bälle nicht so gut laufen lassen, wie in den ersten Spielen“, befand Eva Frank. Rüsselsheims Spielführerin hatte zudem dem Eindruck, „dass einige von unseren ganz Jungen wohl doch ziemlich Respekt hatten, wenn einem zum ersten Mal eine Fanny Rinne gegenübersteht.“
Tatsächlich sollte die 31 Jahre alte Mannheimer Nationalspielerin, seit 2009 Kapitänin der DHB-Auswahl und unter anderem 2004 in Athen mit der olympischen Goldmedaille dekoriert, an diesem Abend mal wieder den Unterschied machen. Vier Tore erzielte sie selbst und war dazu an fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt, was freilich mit daran lag, dass ihr immer wieder zu viel Entfaltungsmöglichkeit gelassen wurde. „Fanny kommt langsam auf Touren; das war klar ihr bestes Saisonspiel heute“, sagte Uli Weise. Mannheims Trainer freute sich zudem darüber, „dass unsere Ecken das erste Mal gut geklappt haben.“ Von zehn dieser gefürchteten Standardsituationen verwertete der Gast sechs.
Auf der anderen Seite war die Quote bei den Hessinnen zu Beginn noch besser. Torhüterin Lisa Lahham hatte die erste Rinne-Ecke abgewehrt, Frank und Anne Schröder die ersten beiden zur heimischen 2:0-Führung genutzt (9.). „Aber Mannheim hatte einfach viel mehr Ecken und hat diese gut genutzt. Der TSV war heute nicht einmal besonders gut, konnte aber besser einfaches Hockey spielen“, so RRK-Coach Benedikt Schmidt-Busse.
Nach 15 Minuten hatten die Angereisten egalisiert, doch Frank brachte ihr Team nach einer energischen Einzelleistung wieder nach vorn (19.). Wer weiß, welchen Verlauf die verbissen geführte, aber nicht unbedingt niveauvolle Partie genommen hätte, wäre der 17-jährigen Lara May nicht vier Minuten vor dem Kabinengang ein grober Patzer unterlaufen. Deren Querpass im eigenen Schusskreis wurde von Corinna Przybilla abgegriffen und zum neuerlichen Ausgleich verwertet, dem kurz vor der Pause der erste Rückstand folgte.
Nach dem Seitenwechsel wurde dann bald erkennbar, dass das junge RRK-Kollektiv bei allem Talent noch ein bisschen Zeit braucht. Vieles entsprang nun mehr dem Zufall oder resultierte aus hektischen und übermotivierten Einzelaktionen, während die Gäste um Ruhe und Fehlervermeidung bemüht waren. Beim 4:5 durch einen Siebenmetertreffer von Eva Frank (38.) keimte für sechs Minuten Hoffnung auf, ehe Rinne den 2-Tore-Abstand wieder herstellte. Da die vierte Rüsselsheimer Ecke misslang (46.) und Maike Cartsburg den Ball aus kurzer Distanz nicht über die Linie brachte (49.), war nach dem 4:7 (53.) am ersten Misserfolg schwerlich noch zu rütteln. Genauso wenig wie daran, dass diesem jungen Rüsselsheimer Team die Zukunft gehört.
Rüsselsheimer RK: Lisa Lahham; Helena Faust, Maike Cartsburg, Lotte Kanz, Lara May; Vera Battenberg, Louisa Willems, Eva Frank, Hannah Pehle, Anne Schröder, Rebecca Schneider.
Tore, RRK: Frank (3/1), Schröder, Willems; TSV: Fanny Rinne (4), Corinna Przybilla, Julia Peter, Tonja Fabig; Zuschauer: 100; Schiedsrichterinnen: Warsitz/Giannouli (Wuppertal/Frankfurt); Ecken: 4/2:10:6.
