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Handball 

Doping-Kontrolleurin soll Proben von Mainzer Handballerinnen gefälscht haben

31.08.2010 - MAINZ

Von Bardo Rudolf

Das Pokalspiel gegen den Bundesligisten DJK/MJC Trier war in der vergangenen Saison der Saisonhöhepunkt für die Handballerinnen des FSV Mainz 05 – neben der Meisterschaft in der Regionalliga. 18:30 verloren die Mainzerinnen erwartungsgemäß die Partie vor 500 Zuschauern gegen die „Miezen“, und erregten damit lediglich regionale Aufmerksamkeit. Das hat sich nun geändert. Die Partie ist ohne Schuld der beiden Vereine Mittelpunkt eines möglichen Skandals geworden, der das gesamte Anti-Doping-System in Deutschland erschüttern kann.

Die ARD-Sportschau und das WDR-Magazin „sport inside“ berichten nämlich, dass eine Doping-Kontrolleurin die für diese Partie vom Deutschen Handball-Bund (DHB) angeforderten Urinproben gefälscht habe. Statt jeweils vier A- und vier B-Proben von Spielerinnen zu nehmen, habe sie sich den Weg nach Mainz gespart und die Proben mit ihrem eigenen Urin gefüllt. Dazu habe sie die entsprechenden Protokolle und die Unterschriften der Spielerinnen gefälscht. Sie war Mitarbeiterin der Mannheimer Firma Serco, die vom DHB mit der Durchführung der Kontrollen beauftragt worden war. Ein weiterer Mitarbeiter der Firma soll beim Zweitliga-Spiel TuS Metzingen gegen HSG Bad Wildungen am 12. Dezember 2009 genauso vorgegangen sein. Laut Mannheimer Oberstaatsanwalt Jochen Seiler hätten die beiden Verdächtigen über die Firma jeweils 434 Euro abgerechnet.

Vereine ahnungslos

Die betroffenen Vereine waren an den jeweiligen Spieltagen ahnungslos. „Sinn und Zweck der Kontrollen ist ja, dass das unangemeldet gemacht wird. Deshalb hatten wir vorher keine Informationen“, sagt Karl-Heinz Elsässer, Manager der Mainz-05-Frauen. Und nach dem Spiel hatten es die Vereine auch nicht erfahren, weil die Doping-Kontrolleurin ja nicht angereist war. „Damit rechnen, dass jemand kommt, muss man im DHB-Pokal schon, das steht ja in den Statuten“, sagt Elsässer. Aber so weit kam es bekanntlich nicht.

Aufgeklärt wurde der Fall laut ARD, als das Dopingkontrolllabor Köln bei der Untersuchung der Urinproben festgestellt hatte, dass diese offenbar von einer Person stammen. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls hatte der DHB am 29. Januar 2010 die zuständigen Gremien schriftlich über den Sachverhalt informiert. „Wir haben daraufhin die Zusammenarbeit mit der Firma Serco gekündigt und unser Kontrollsystem geändert“, sagt DHB-Vizepräsident Heinz Winden. Der Verband fordert jetzt von Serco 6.000 Euro Regress.

Elsässer: Nichts mit Handball zu tun

Berthold Mertes, Sprecher der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) sprach von einem „beklagenswerten Einzelfall“. „Ein solcher Fall ist ein Argument in der Diskussion, dass in Zukunft auch die Wettkampfkontrollen in einer Hand liegen. Die Nada ist bisher nämlich nur für die Trainings- und für rund ein Zehntel der Wettkampfkontrollen zuständig. Nada-Chef-Justiziarin Anja Berninger sprach von einem Fall, der „dem Anti-Doping-Kampf massiv schaden kann“.

05-Manager Elsässer befürchtet hingegen keine negativen Auswirkungen auf seine Sportart. „Ich denke, der Fall hatte nichts mit dem Handball zu tun“, sagt er. Denn auch in anderen Sportarten hatte Serco Dopingkontrollen durchgeführt.

Ein Handball. Foto: Fotolia

Symbolfoto: FotoliaVergrößern

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