„Abenteuer“ Regionalliga
04.04.2012 - RÜSSELSHEIM
Von Martin Krieger
NACHGEFRAGT SCO-Frauen gingen gerne hoch, wissen aber um die damit verbundenen Kosten
Der Kreis könnte sich in ein paar Wochen schließen. Nach einer hervorragenden Hinrunde kämpften die Fußballer des SC Opel Rüsselsheim im Frühjahr des Jahres 1972 plötzlich gegen den Abstieg aus der Regionalliga Süd, den sie schließlich aufgrund einer 1:3-Niederlage am letzten Spieltag bei Jahn Regensburg verloren. Genau 40 Jahre später klopft ein anderes Team des Sport-Clubs zunehmend fester an die Tür zu besagter Regionalliga Süd. Nach dem 4:0-Triumph beim KSV Hessen Kassel führen die SCO-Frauen wieder die Hessenliga an.
Obwohl noch sechs Partien ausstehen und die Hauptrivalen, Eintracht Frankfurt und SV Gläserzell, mit Spielen im Rückstand sind, liegt es nahe, dass sich die Verantwortlichen allmählich mit dem befassen, was auf sie zukommen könnte. „Für den 13. April haben wir deshalb ein Treffen verabredet“, berichtet Jürgen Gelis. Dem SCO-Vorsitzenden, beim Abstieg der Männer zehn Jahre alt, ist bewusst, dass ein Aufstieg der Frauen einerseits der Reputation des Vereins gut täte, andererseits aber offenbar auch einige dicke Bretter zu bohren sind. „Es wäre ein Traum, wenn unsere Frauen und Männer beide aufsteigen sollten. Und da unsere Frauen im Umfeld viel stärker wahrgenommen werden oder intern wiederholt nachgefragt wird, wie sie gespielt haben und auch die Zuschauerzahlen nach oben gehen, sind wir bestrebt, dem mehr Gewicht zu geben“, sagt Gelis.
Schwierige Trainingssituation
Das wird Ralf Seebold bestimmt gerne hören. Der 48 Jahre alte Trainer und „Vater“ des Rüsselsheimer „Frauenwunders“ hat trotz aller Erfolge mit seinem Team nämlich keinen leichten Stand. „Montags teilen wir uns den Platz am Ostpark mit den Alten Herren, mittwochs fallen manchmal Nachholspiele der Jugend an. Da weichen wir schon mal in eine Soccer-Halle oder auch nach Astheim aus. Während der Sommerzeit können wir montags im Stadion trainieren, aber nur, wenn die LG Rüsselsheim grünes Licht gibt. Da wäre es natürlich wünschenswert, wenn das im Falle des Regionalliga-Aufstiegs anders aussehen würde“, sagt Seebold. Offenbar leichter gesagt, als getan: „Freie Kapazitäten gibt es auf unserem Platz leider nicht“, erklärt Gelis.
Unabhängig davon, dass der Umzug des SC Opel ins ehemalige Stadionbad frühestens 2014 erfolgt und erst dann eine spürbare Entlastung der Trainingssituation winkt, will Seebold die sich bietende Aufstiegschance unbedingt beim Schopfe packen. „Wer weiß schon, ob und wann sich eine solche Möglichkeit noch mal bietet, zumal es durch die Aufstockung in diesem Jahr ja auch noch eine Relegation gibt.“ Deshalb hat er sich in dieser Woche mal bei einem Regionalligaklub schlaugemacht, was im Fall der Fälle auf ihn, seine Spielerinnen und den Verein zukommt. Und das ist nicht wenig: „In der Regionalliga pfeifen Gespanne, was bedeutet, dass die Schiedsrichterkosten drei Mal so hoch sind. Am Ostpark haben wir keine Kabine für drei Unparteiische, die zudem verpflegt werden müssen und für die ein Betreuer abzustellen ist. Dazu sind zwei Platzordner gefordert, und wenn wir in München, Augsburg oder vielleicht Memmingen antreten, müssen wir übernachten, was für 16 Spielerinnen insgesamt locker mit 1000 Euro zu Buche schlägt. Und wenn wirklich eine Trainer-B-Lizenz gefordert sein sollte, hätten wir ein weiteres Problem.“
Verstärkungen müssen passen
Dazu kommen die Fahrtkosten, die die SCO-Frauen bislang offenbar weitgehend selbst bestreiten. „Den Bus am vergangenen Wochenende nach Kassel, der 500 Euro gekostet hat, haben wir selbst bezahlt“, so Seebold. Kosten würde auch eine Verstärkung des Teams verursachen. „Wenn die Einstellung stimmt, sind rund zehn Spielerinnen des aktuellen Teams absolut in der Lage, Regionalliga zu spielen.“ Er habe zwar erste Kontakte zu potenziellen Verstärkungen geknüpft, „aber die kosten auch und müssen passen. Das darf auf keinen Fall dazu führen, dass die Synergie Gemeinschaft verloren geht. Ich würde das Abenteuer aber auch mit dem jetzigen Kader wagen“, sagt Seebold. Dass es dann schwer würde und es von Beginn an gegen den Abstieg geht, ist ihm bewusst. Bei den legendären SCO-Männern war das in der Saison 1971/72 nicht der Fall ...

