Funsport: Freestyle-Fußball - Kontrolle, Konzentration und Koordination gefragt
18.01.2011 - MAINZ
Von Sabine Nadarzinski
Die Menschen, die ihn spielen sehen, bleiben stehen und schauen erstaunt zu, wie Max Meyer mit dem Fußball umgeht. Der 19-Jährige ist Freestyler. Er versucht, den Ball möglichst spektakulär in der Luft zu halten. Mit Fuß, Knie, Oberschenkel, Oberkörper, Nacken oder sogar mit seinem Gesicht, alles ist erlaubt. Hauptsache der Ball berührt nicht den Boden.
Beim Zuschauen erwische ich mich dabei, wie mein Mund vor Staunen offen bleibt. Jeder hat schon einmal gesehen, wie Fußballer den Ball mit Füßen oder vielleicht mit dem Knie in der Luft halten. Doch Max Meyer variiert, er wechselt vom Fuß in den Nacken, legt den Ball auf seinem Gesicht ab und beim Abrollen nimmt sein Fuß den Ball wieder auf. Ich bin beeindruckt.
Schöner Nebenverdienst als Straßenkünstler
Angefangen hat der 19-Jährige vor acht Jahren mit Fußball. „Aber das war mir zu einseitig“, sagt Meyer. Als er im Internet Freestyle-Videos sah, hat er versucht, die Tricks nachzumachen und ist dann vor vier Jahren bei der Sportart hängen geblieben.
Aus dieser Leidenschaft wurde später mehr als nur Hobby. Mittlerweile trainiert Meyer etwa eineinhalb Stunden täglich. Immer wieder wird er für verschiedene Events gebucht. So hat er Trickschulungen beim Karlsruher SC betreut und ist in den Stadien von Energie Cottbus und vom FC Bayern München aufgetreten. „Das war ein beeindruckender Empfang im Stadion“, sagt Meyer, der vor ausverkaufter Kulisse sein Können zeigen durfte. Am Anfang ist der 19-Jährige als Straßenkünstler in der Fußgängerzone aufgetreten und hat sich auf diese Weise ein paar Euro zum Taschengeld dazuverdient. Heute ist der Sport für ihn zu „einem schönen Nebenverdienst“ geworden.
Während wir uns unterhalten, spielt Meyer immer wieder mit dem Ball, hält ihn in der Luft oder legt ihn sich auf´s Gesicht. Er kontrolliert den Ball und beherrscht seinen Körper mit einer gewissen Leichtigkeit, die beeindruckt. Ich ahne, dass es schwer für mich wird – Fußball habe ich nie gespielt – aber ausprobieren möchte ich Freestyle trotzdem. Der 19-Jährige erklärt mir die Grundlagen, gibt mir den Ball und ich lege los. Mit viel Wohlwollen und nach einigen missglückten Versuchen halte ich den Ball dreimal oben. Als Meyer mir den Ball daraufhin auch noch in den Nacken legt und ich ihn dort – zwischen den Schulterblättern – halten soll, merke ich, wie schwierig es ist. Mal ist mein Kopf zu weit unten oder mein Rücken nicht gerade genug. Ich werde noch lange üben müssen, um den Ball – egal wie – in der Luft zu halten.
Auch Max Meyer hat Ziele. In zwei Jahren findet die nächste Weltmeisterschaft der Freestyler statt, Meyer möchte dabei sein. Eigene Tricks hat er bereits entwickelt, aber „es gibt noch sehr viel, was ich dazulernen muss“, sagt der 19-Jährige.
Nächsten Dienstag im Test: Parkour und Freerunning
Analyse:
Was: Freestyle-Fußball ist die Kunst, den Ball möglichst spektakulär in der Luft zu halten. Dabei kommt es auf Ballkontrolle, Kreativität und Koordination an. Im vergangenen Jahr fand in Südafrika die Weltmeisterschaft im Freestyle-Fußball statt.
Wie: Wie beim normalen Fußball auch ist das Benutzen von Armen und Händen nicht erlaubt. Der Ball wird mit Füßen, Beinen, Oberkörper oder auch mit dem Kopf hochgehalten.
Wo: Überall wo Platz ist, kann man spielen und trainieren. Die Freestyler organisieren sich meist über das Internet. Neue Tricks werden per Videostudie und Learning-by-doing beigebracht.
